Wenn es in der Stadt heiß und stickig wurde, flüchtete die Wiener High Society der Jahrhundertwende auf ihre Landsitze in die nahegelegen Berge, feierte opulente Feste im Südbahnhotel oder dem Panhans, ließ sich inspirieren und arbeitete an ihren Romanen, Kompositionen und Theaterstücken. 

Also warum nehmen wir heute stundenlange Flugreisen und Autofahrten auf uns, wenn das Paradies nur eine gute Stunde mit Zug oder Auto von Wien entfernt liegt? Eben. Die Sommerfrische ist zurück!

Während am Semmering gerade ein akutes Hotelsterben um sich geht, blüht das nahegelegene Reichenau an der Rax geradezu auf. Kein Wunder, denn die Berge wurden hier durch kein Skigebiet verschandelt, im idyllischen Reichenau bekommt man das Gefühl Arthur Schnitzler käme jeden Moment um die Ecke und den ganzen Sommer finden spannende Kulturevents statt.

 

Kurpark

Friedrich-Zach-Gasse 12, 2651 Reichenau an der Rax

Im Herzen des Orts liegt ein kleiner idyllischer Kurpark mit einem wunderschönen Musikpavillon und einem kleinen Teich zur romantischen Bötchenfahrt. Tief einatmen lohnt sich nicht nur wegen des Blumendufts, Reichenau ist ein heilklimatischer Kurort.

 

Wohnen & Essen

Wer länger als einen Tag im Rax-Gebiet bleiben möchte, findet eine Vielzahl an netten Hotels und Pensionen. Hier unsere Highlights:

Looshaus am Kreuzberg

Kreuzberg 60, 2650 Payerbach

Der wahrgewordene Traum für echte Loos-Fans: Am Kreuzberg schläfst du in einem überraschend heimeligen Architekturmuseum. Jedes der Zimmer ist originalgetreu erhalten, nur mit ein paar wenigen Accessoires verschandelt und fasziniert mit individueller Farbgebung und wohldurchdachten Einbaumöbeln. Das ehemalige Landhaus des Wiener Industriellen Paul Khuner wurde 1930 von Adolf Loos entworfen und steht seit 1963 unter Denkmalschutz. Die Doppelzimmer mit Bad kosten 53 pro Person und Nacht, die Zimmer ohne nur 46 Euro. Weiteres Highlight ist die außergewöhnlich gute, regionale Küche, die im lichtdurchfluteten Esszimmer serviert wird. 

 

Speckbacher Hütte

Speckbacher Str. 51, 2673 Breitenstein

Wer es noch günstiger und uriger mag, sollte den Kreuzberg lieber von der anderen Seite erklimmen. Eine Nacht in den einfachen Doppelzimmern mit Gemeinschafts-WC kosten 28 Euro pro Person. Eigentlicher Grund für einen Besuch ist aber die super Aussicht von der Terrasse und das gute Essen von der Brettljause bis zum exzellenten Schweinsbraten. 

 

Riegelhof  

Prein 23, 2650 Prein an der Rax

Noch so ein Highlight aus der Kulturgeschichte: Schriftsteller Heimito von Doderer hat auf dem Sommersitz seiner Familie wesentliche Teile der Strudlhofstiege geschrieben. Nun kann man die wunderschöne Villa mieten oder sie sich zumindest in einer Führung anschauen. Für beides empfehlen wir einen großen Freundeskreis, denn das Haus verfügt über sechs Schlafzimmer. Preis auf Anfrage.  

 

Schloss Wartholz 

Hauptstraße 113, 2651 Reichenau an der Rax

Mit dem Bau verschiedener Schlösser steigt Reichenau Ende des 19. Jahrhunderts endgültig in den Nobelkurort-Olymp auf und ist heute der Traum jedes Hochzeitsfotografen. Wer sich allerdings im Pavillon des Schlossgartens trauen lassen möchte, muss mehr als ein Jahr vorausplanen. Probeessen im Café der vielleicht schönsten Gärtnerei der Welt kann man aber auch ohne Heiratsambitionen. Hier gibt’s gutes Frühstück und eine kleine Auswahl an klassischen österreichischen Speisen. 

Am Abend finden hier häufig Lesungen und Konzerte statt. Am 16., 23. Und 30. August gibt’s ein Sommerkino.

 

Kultur

Die Festspiele Reichenau – traditionell von Anfang Juli bis Anfang August – haben wir heuer bereits verpasst. Aber dieses Theaterprojekt ist ohnehin viel spannender:

Thalhof Festival 2017

Thalhofstraße 23, 2651 Reichenau

Arthur Schnitzler war seiner Zeit häufig zu Gast im Thalhof und schrieb hier unter anderem im Sommer 1900 in nur sechs Tagen die Novelle Leutnant Gustl. Nun findet hier noch bis 3. September das THALHOF Festival statt. Neben dem Newcomer Mario Wurmitzer steht mit Ebner-Eschenbach auch eine wiederentdeckte Klassikerin auf dem Programm: Das Programm verbindet einen Politthriller im Riesenrad, regionale Dichtkunst mit der krimihaften Dramatisierung einer bizarren Totenwacht. 

Studententicket gibt’s für nicht ausverkaufte Vorführungen um 5 € pro Stück an der Abendkassa.

 

Wandern und Baden

Bei heißen Temperaturen empfehlen wir einen einstündigen Spaziergang durch das wildromantische Höllental. Der Wiener Wasserleitungswegs von Hirschwang bis Kaiserbrunn eignet sich auch für ungeübte Wanderer und führt entlang der glasklaren Schwarza. An ihrem weißen Kiesufer kann man sich wunderbar zum Sonnenbaden oder Picknicken niederlassen und zumindest die Füße im kalte Bergwasser abkühlen. In Kaiserbrunn kann man dann das Wasserleitungsmuseum besuchen. Hier entspringt ein Teil des Wiener Wassers. 

Wem das wandertechnisch zu lasch ist, für den beginnt nun ein harter Aufstieg auf die Raxalpe. Die liegt zwar nur auf 2.007 m, die kargen Felsen mit Blick in die tiefe Schlucht geben dir aber schnell das Gefühl im Hochgebirge zu sein. Hinab könnt ihr dann bequem mit der Seilbahn fahren. 

Das Gebiet ist übrigens auch ein Eldorado für Kletterer.

 

Headerbild: "Rax z Klosterwapenu" von Michal Novota via Flickr, lizensiert über CC BY 2.0

 

Noch mehr Sommerfrische gibt es hier.

 

 

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