Sportklub-Fans müssen traditionell einiges durchstehen: Die sportlichen Glanzzeiten liegen schon ein paar Jährchen zurück und der Klassenerhalt des Fußball-Vereins in der nicht wahnsinnig hochkarätigen Liga Ost ist Jahr für Jahr eine Zitterpartie. Das macht das Hernalser Urgestein aber abseits des Rollrasens wett - nirgendwo gibt es soviel Amore wie auf der Alszeile und so haben sich die Heimspiele zum Fixpunkt für all jene gemausert, die zwar gerne live Fußball schauen, aber keinen Bock auf große Menschenmassen, Taschenfilzer und Schlägereien haben. Die hiesigen „Ultras“ sind mit selbstgehäkelten schwarz-weißen Bierglashaltern von ihren zuhause gebliebenen Freundinnen gekennzeichnet - und das ist auch schon die aggressivste Handlung die du hier beobachten wirst können. Denn hier, im Fadenkreuz zwischen letzter Ruhestätte, Baumarkt, 43er und Mistplatz wird bei Heimspielen eine Mini-Sozialutopie gelebt, die die Quintessenz des Roten Wiens 2.0. - wenn auch ganz in schwarz-weiß - ist. Als wahrer Fan stehst du auf der Friedhofstribüne und belächelst die Heinzis auf den harten Holzbänken der V.I.P.-Area. Und nach dem (oft unerfreulichen) Spielergebnis gehst du mit den Spielern noch auf ein Bier ins Flag.

Wer lieber Gewinnerinnen zuschaut, sollte übrigens zu einem Spiel der supertoughen Frauenmannschaft gehen - die besiegen beim "kleinen Wiener Derby" sogar die Erzfeinde bei der Vienna. 

Der Verein

Gründungsjahr: 1907 (als Wiener Sport-Club, aber das ist eine längere Geschichte…)
Vereinsfarben: schwarz und weiß
Heimspielort: Das älteste Wiener Stadion an der Alszeile in Hernals mit 7.828 Plätzen. 
Spitzname der Fans: Schlüsselkinder 
Titel: 3x österreichischer Meister – daran kann sich aber nur noch deine Oma erinnern (zuletzt 1958/9). 1922/3 war man auch österreichischer Pokalsieger (daran kann sich wirklich niemand mehr erinnern). 
(Inoffizielles) Maskottchen: Geri, der liebste und meistbehängte Augustin-Verkäufer Wiens verpasst kein Spiel. 
Slogan: „Man bringe den Spritzbeton!“ hängt immer mal wieder von den Tribünen und soll in Anlehnung an Michael Häupls berühmtesten Sager auf die marode Bausubstanz des Stations und die schwierige finanzielle Lage des Sportklubs hinweisen
Erzfeind: Der First Vienna Footballclub oder kurz „Die Vienna“. Alleine schon deren Vereinsfarben blau-gelb sind für Sportklub-Fans schwer zu ertragen. Hinzu kommt noch der Streit um den schönsten Spielplatz, den Montanosten gerne zugunsten des in den sanften Hügeln Döblings gelegenen Hohen Warte-Stadions entscheiden. Und dann gewinnen die auch noch permament… 
Liebster Freundschaftsspiel-Partner: FC St.Pauli – gleiche Farben und auch das Herz am politisch linken Fleck
Gründungsgeschichte: Der Wiener Sportklub war ursprünglich ein Sportverein für alle möglichen Freizeitaktivitäten und ging aus dem 1883 gegründeten Cyclisten-Verein hervor. Es könnte also heute auch eine Radbahn in Hernals stehen. 

Das gibt’s nur hier: einen blinden Stadionsprecher – und was für einen! Roland Spöttling ist eine Institution und niemand kann so viel Pathos in jeden einzelnen Spielernamen legen wie er. 
Dort trifft man sich vor dem Spiel: Beim Würstelstand hinter der Friedhoftribüne oder beim urigen Brandstetter auf der Hernalser Haupstraße 
Dort trifft man sich nach dem Spiel: Entweder direkt zwischen Friedhof und Stadion auf der Alszeile oder im hauseigenen Vereinslokal, dem Flag (wo auch zu später Stunde noch ordentlich getanzt wird)
Ticketpreis: Stehplätze 10 Euro, 8 Euro für Studierende.
Absurdester Sponsor: Die Fleischerei Metzker , die stilecht mit rosa Schweinchen und in Comic Sans für ihre Würstel wirbt. 

 

Darfst du mitspielen? Nur wenn du der nächste David Alaba bist, das aber bisher noch niemand bemerkt hast. Der Sportklub braucht dringend Punkte! 
Muss jeder Fan mitnehmen: Einen Schlüsselbund, damit man damit bei jeder Standard-Situation „klingeln“ kann. Eine Eigenart, die man übrigens ebenfalls mit dem FC St.Pauli teil. 
Diesen Merchandise-Artikel brauchst du unbedingt: Ein Schlüsselband natürlich! Um 9 Euro.
Must-Do bei jedem Spiel: In den „Sportkluuuuub, Sportkluuuuub“-Kanon einstimmen. 

(c) Fotos: Christoph Glanzl

Hier geht´s zum zweiten Teil unserer Wiener Lieblingsvereine-Serie beim Vienna Rollerderby. 

 

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