Ich wage es kaum auszusprechen, aber es gibt Menschen, denen geht Wien auf den Nerv. Der gemeine Wind, das deftige Essen, die grantigen Leute. Der Schauspieler Justus Neumann ist wohl einer von Ihnen. Vor einigen Jahren packte er seine Taschen und zog ins ferne Tasmanien. Aber wir wissen: Wien ist durch nichts zu ersetzen. Und so kehrt Herr Neumann alle Jahre mit seinem Zirkuszelt im Gepäck für kurze Zeit in die Heimat zurück um Theater zu spielen,  und sich somit sein Salär für den Rest des Jahres zu verdienen. Was ja auch irgendwie etwas sehr Wienerisches ist - man denke nur an die italienischen Eis-Dynastien der Rotenturmstraße - glaubt ihr etwa die bleiben hier über den Winter? 

Genauso wie die Eisbecher der Zanonis und Bortolottis ein großes Glück für diese Stadt sind, so sind es auch die Theaterabende des Justus Neumann. Dieses Jahr ist er mit der "Alzheimer-Symphonie" zu Gast im Dschungel im MQ. Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Schauspieler vergisst seinen Text. Klingt simpel. Doch Neumann ringt diesem Thema durch seine unbändige Lust am Erzählen und seiner Freude an absurden Maschinen unzählige Aspekte ab. 

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt an diesem wunderbaren Abend: Es ist die letzte Produktion die Justus Neumann in seinem Zirkuszelt spielt. Transport und Aufbau sind zu kompliziert und kostspielig - Ende dieser Spielserie wird es verkauft. Wagemutige Käufer wenden sich bitte an diese Adresse! Allen anderen sei ein letzer Besuch an diesem besonderen Spielort dringendst angeraten. 

 

Mehr zum Thema
 
 
Kultur, 16.9.13
 
Kultur, 20.5.13