Bereits zum neunten Mal fanden die Werkstatttage im Kasino am Schwarzenbergplatz statt. Werkstatt, das bedeutet für die Auserwählten der zahlreichen Einreichungen des Bewerbes, sich zwei Wochen lang mit der Diskussion, Umarbeitung und schließlich der Inszenierung und szenischen Lesung ihrer Werke auseinander zu setzen. Das Stückefest 2012 hat in diesem Sinne sechs Inszenierungen der Texte junger Autoren und Autorinnen zu je 20 Minuten gezeigt, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

 

Radikal und direkt formulieren sich die jüngsten Kreativen (Zwischen 21 und 32 Jahren) in eine etablierte Theaterwelt, die vor allem eines fordert: Aktualität. Besser neu als vergleichbar ist die Devise, was sich teilweise vor allem in der Auswahl der Stoffe zeigt, an die sich das Erzählte anlehnt. Von Themen die der Allgemeinheit aus den Schlagzeilen der letzten Jahre mehr als bekannt sind, bewegt sich die Sprache zwischen der Suche nach Identifikation und dem Sinn des Daseins in unserer Zeit. Es muss aber nicht die Radikalität einer verarbeiteten Keller-Thematik sein um zu beweisen, dass es viel zu sagen gibt. Der Lebenslauf der Teilnehmenden zeigt ein neues Selbstbewusstsein zu einem Beruf, der immer noch als hoffnungslos weil brotlos verschrien ist und stellt sich dem mit enormer Produktivität entgegen. Lorenz Langenegger beispielsweise, der gekonnt die Kunst des Dialoges in den Mittelpunkt stellt, hat bereits 2009 seinen Roman „Hier im Regen“ veröffentlicht, für den er mehrfach ausgezeichnet wurde. Das Autorenduo Nolte Decar setzen auf Wortwahl im Doppelpack und Texte, die unter anderem am Berliner Maxim Gorki Theater szenisch eingerichtet wurden und in der Literaturzeitschrift Bella Triste erschienen sind. Die Performerin und Autorin Katja Brunner wartet u.a. mit einem bereits uraufgeführten Stück („Von den Beinen zu kurz“) auf, das bald am Schauspielhaus Hannover zu sehen ist. 

 

Die Frage der Erlernbarkeit des Schreibens sei dahingestellt. Klar ist, dass Szenisches Schreiben in den letzten Jahren als Studiengang im deutschsprachigen Raum an zahlreichen Universitäten zu belegen ist und großen Anklang findet. Die jüngste universitäre Schreibwerkstätte in Wien findet sich in der Gründung des Bachelorstudiums Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst. Auch an der Schule für Dichtung findet sich jährlich ein breites Angebot von Schreibklassen und Seminaren für beginnende bis fortgeschrittene Lernwillige, sowie Wochenend- und Sommer-Schreibwerkstätten. An Schreibende für Kinder- und Jugendliteratur richtet sich das Projekt Schreibzeit im Dschungel Wien, mit dem passenden Leitspruch: „Es ist Zeit. Schreib was. Jetzt.“ Das 2007 ins Leben gerufene Autorenprojekt Stück/Für/Stück am Schauspielhaus Wien begleitet seine ausgewählten Autoren ein Jahr lang in ihrem Schreibprozess. Als Höhepunkt wird das von Literatur Mechana mit 5.000€ dotierte Hans-Gratzer-Stipendium vergeben.

 

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