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Spontan wurde letztes Wochenende die Idee geboren, den Seefestspielen Mörbisch einen Besuch abzustatten. Am späten Nachmittag rein ins Auto - kaum eine Stunde später da und hin zur Abendkassa. Enttäuschend: Wie beim ImpulsTanz Festival gibt es auch hier keine Studentenermäßigung, nicht einmal verbilligte Last-Minute-Tickets. Wenn das so weitergeht, werde ich bald einen offenen Brief an die Intendantenschaft verfassen - Restkarten nicht kurzfristig reduziert abzugeben finde ich eine Unsitte, gerade wenn die Vorstellung nicht einmal ansatzweise ausverkauft ist. Nun gut, nachdem der erste Ärger runtergeschluckt ist werden Karten der billigsten Kategorie eingeholt (die Preisspanne reicht von 23 bis 95€) und es ist nicht einmal unangenehm - schließlich wird heute "Der Bettelstudent" gegeben! 

Harald Serafin ist übrigens seit diesem Jahr nicht mehr Intendant - also keine Gefahr mehr, einer seiner legendären Filibuster-Reden zum Opfer zu fallen. Eine viel größere Rolle spielt dieser Tage die Angst vor blutsaugenden Gelsenschwärmen. In der Menschenschlange vor dem Kartenhäuschen hält sich hartnäckig das Gerücht, die Festival-Leitung würde allabendlich vor Vorstellungsbeginn pestizid-sprühende Kampfhubschauber über den Neusiedlersee schicken. Gasmaske haben wir blöderweise keine im Auto. Wir wagen uns trotzdem ins benachbarte Strandbad, praktischerweise beginnt die nämlich erst um 20.30 Uhr. Auch nicht schlecht: ab 18.30 Uhr interessiert sich an der Strandbad-Kassa niemand mehr dafür, den Eintrittspreis einzufordern - möglicherweise Teil eines Gentlemen´s Agreement?

Ein bisschen mit Blick auf die Kulissen im Neusiedler-See geplanscht (von "schwimmen" kann man hier ja wirklich nicht reden...) und schon tönen die Blech-Fanfaren: Es geht los. Wir bewegen uns in den neu renovierten Bau, der wie der Traum eines neureichen Kaliforniers strahlend weiß am See tront und insgesamt überhaupt etwas verplant wirkt. Von Wasser überspülte Glaswände und ein langer, gebogener Gang voller Fress-Stände erinnern an eine Messehalle. Eine relativ schicke Messehalle, zugebenermassen.

Kaum auf den Rängen angekommen, stellen wir voller Freude fest: Ein selbstbestimmtes Upgrade in Kategorie 2 ist möglich - die Securities in ihren neon-orangen Warnwesten schauen gerne weg. Zack geht es auch schon los. Bald merken wir: Hier funktioniert einiges sehr gut. Das Bühnenbild (Yadegar Asisi) im 90er-Bad-Taste-Stil wartet mit einigen Raffinessen auf und an den Kostümen (Susanne Thomasberger) wurde eindeutig nicht gespart - die Sänger ersticken fast in pinkem Organza und turmhohen weißen Perücken. Das passt gut in das fiktive Polen des 18.Jahrhunderts, wo die turbulente Handlung angesiedelt ist. Für einige Unterhaltung sorgen auch die Hits der Operette: der Herr vor uns kann sich bei "Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst" nicht beherrschen und steht auf um mitzudirigieren und auch wir fangen unbewusst an mitzuschunkeln. Musikanten-Stadel-Feeling-Deluxe - die Sänger singen schließlich live! Und durch die Bank auf solidem Niveau - Sebastian Fuchsberger in der Titelrolle weiß sogar zu begeistern. Am Schluss wird der latente Trash-Geschmack dieses Abends noch durch das bombastische Schluss-Feuerwerk verstärkt. Wir und das Publikum fahren zufrieden nach Hause. See you next year, Mörbisch! 

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