Da gerade Fashion-Week-Zeit ist, sei der Vergleich erlaubt: Was letzte Saison der Kenzo-Tiger-Pulli war, ist im Theater gerade Henrik Ibsen. Für beide gilt: Dieses Jahr nicht mehr so spannend. Oder wie es der Herr neben mir vorgestern im Theater ausdrückte: "Ich kann keine leidenden Frauen mehr sehen!" Nun ja, da ist was Wahres dran. Ob Nora, Hedda, oder im konkreten Falle Ellida, sie alle leben in einer unglücklichen Ehe der sie am Ende mit wirklich allen Mitteln entkommen können. Das darf man nicht mit einem Happy-End verwechseln. Hedda erschießt sich, Nora muss in Armut darben (so behauptet es jedenfalls Elfriede Jelinek in ihrer Fortschreibung "Was mit Nora geschah nachdem sie ihren Mann verlassen hatte") und Ellida ertränkt sich schließlich (nur in dieser Fassung von Regisseurin Anna Bergmann allerdings). Ziemlich extrem die Damen des norwegischen Dichters also.

Da passt es ganz gut, dass in der aktuellen Inszenierung von "Die Frau vom Meer" am Akademietheater (Synopsis hier), die Hauptrolle mit einer der intensivsten Schauspielerinnen des Burgtheater-Ensembles besetzt ist - Christiane Poelnitz. Poelnitz ist keine Meisterin der Subtilität. Ihre Rollen leben von vollem Körpereinsatz und Auslotung ihrer Stimmbandleistung (und da geht einiges!). So ist auch ihre Ellida entweder gerade in Tränen aufgelöst, platzt gleich vor Wut oder wälzt sich im selbst freigelegten Wassergraben. Das alles bräuchte es eigentlich garnicht, der Text wäre stark genug und interessante Nebenfiguren gibt es ja auch noch. (Diese stehen sinnbildlich die meiste Zeit hinten an der Wand an die sie eben gespielt wurden.) 

Vor allem in Erinnerung bleiben werden mir die Videos von Sebastian Pircher die in schnellen Schnitten das Unausgesprochene verbildlichen und an die "Was-bisher-geschah"-Sequenzen amerikanischer Kriminalserien erinnern. Überhaupt wird an diesem Abend nicht mit popkulturellen Referenzen gegeizt: Lana del Rey, Prince, Alicia Keys, Lady Gaga - alles dabei. Wie in dieser Inszenierung auch. Ziemlich gut verbrachte zwei Stunden. 

 

 

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