Es herrscht gähnende Leere auf den Straßen Wiens. Zumindest auf den virtuellen Straßen. Nein, Pokémon gibt es auch genug (bloß wer braucht 120 Taubsis?). Aber in der zweitwichtigsten virtuellen Realität der Hauptstadt sieht es mau aus: Wien, wo sind deine Geofilter? Jede andere Stadt bekommt das doch auch hin. Auch im gern als fad und bieder verschriehenen München wartet fast in jedem Viertel ein eigener Icon mit dem man das obligatorische Hundeselfie verschönern kann.

Wir haben uns angesehen, welche Geotags es derzeit in Wien gibt und sind "not amused":  

Bezirksspezifisch: 

Auch in Wien gibt es ein paar bezirksspezifische Geotags - die noch dazu verhältnismäßig schön sind. 

Aber viel zu wenige! Wir verlangen Geotags für jeden einzelnen Bezirk. 

Unnötige Doppelungen:

Jaja, keine Tags für die Bezirke, dafür zwei Mal den Donaukanal (einmal unerträglich hässlich) und pseudo-patriotisches rot-weißes Geschmiere in doppelter Ausführung. Plagiarismus und Einfallslosigkeit sind auch in der Welt der vergänglichen Snaps ein Thema.

More of the same: 

Der erste Eindruck zählt - auch bei Geotags. Man stelle sich nur vor, ein Tourist sieht als ersten Geofilter seines Wien-Wochenendes den schrecklich kitschigen "Walzer-Geotag". Der fährt sofort weiter nach Linz, ins gelobte Land der Geofilter, garantiert! Auch die triste Wolke (der Geofilter dieses "Sommers") und das ungelenke Prater-Donauturm-Steffl-Mash-Up können nicht als besonders gelungen bezeichnet werden. 

Vermisst und nie danach gefragt: 

Was ist das für 1 (Wien-)Life? Ohne den Karlskirche-Geofilter in fast schon elegantem Türkis können wir nicht mehr am Karlsplatz sitzen ohne in Tränen auszubrechen. Das wird ein trauriges Popfest. Und wie sollen wir ohne den "Greetings from Vienna"-Filter noch unsere Freunde die auf der ganzen Welt verstreut sind, grüßen? Etwa mit dem Walzer-Filter? Als vermeintlicher Trost wurde letzte Woche der unsägliche Fiaker-Filter eingeführt. Eine orange-penetrante Würdigung einer nicht ganz unumstrittenen Tradition, denn ob das Wohl der Pferde auf den vollen Straßen und in der prallen Hitze immer an erster Stelle steht, sei dahingestellt. 

Was jetzt zu tun ist: 

Genug gesudert - ran an die Arbeit! Geofilter kann nämlich ganz leicht jeder direkt bei Snapchat einreichen. Und es herrscht freies Feld: Es fehlt an Filtern für die Unis (wenn der für die Boku nicht grün ist, gibt es Extrapunkte für besondere Kreativität), wie erwähnt für quasi jeden Bezirk. Von Sehenswürdigkeiten und einzelnen netten Grätzeln ganz zu schweigen. 

Wie ihr euren eigenen Geofilter einreichen könnt, erfahrt ihr hier. 

Mehr zum Thema
 
Freizeit, 20.6.13
 
 
Design, 20.8.14
 
Design, 29.8.13