Schon immer haben die Wiener und der Tod ein ganz besonderes Verhältnis zueinander. Es ist nicht zuletzt diese bittersüße Liebesbeziehung, die der Stadt ihren melancholisch-morbiden, reizend-staubigen Flair einhaucht. Wenn sich im Herbst dichter Nebel über die Stadt legt, die Bäume ihre Blätter verlieren und Krähen krächzen; wenn man nachts durch die menschenleeren, schummrigen Gassen streicht, die von wuchtigen barocken Bauten gesäumt sind und entfernt Schritte hört, fühlt man sich dem Sensenmann besonders nah. Böse Zungen sagen, der Tod selbst muss Wiener sein. Zärtlich wird dieser von den Wiener besungen, und über ihn gescherzt. Und so erklingt bei einem fröhlichen Gelage nicht selten das altbekannte Wienerlied, in dem es heißt „Es wird der Wein sein, und mir wern nimmer sein ...“ 

 

Kaisergruft

Tegetthoffstr. 2, 1010 Wien
Öffnungszeiten: tägl. 10-18 Uhr (1. und 2. November 2014 stiller Besuch)
Eintritt: 5,50 €, Studenten 4,50 €


„Wenn i amal stirb, stirb, müssn mi d’Fiaker tragen und dabei Zithern schlagen, weil i des liab, des liab“, sang Qualtinger. Die Wiener waren und sind Profis für die letzte Ehre. Ein würdiger Abschied, selbst für die Ärmsten der Ärmsten, war wichtig. Die Menschen orientierten sich am Prunk der barocken Kaiser- und Adelsbegräbnisse. „A schöne Leich“ musste unbedingt sein. Die schönsten Leichen und Särge kann man in der Kaisergruft im 1. Bezirk bewundern.

 

Zentralfriedhof

Simmeringer Hauptstr. 234, 1110 Wien
Öffnungszeiten: 8-17 Uhr
Eintritt frei!

Das normale Fußvolk wurde für die letzte Ruhe nicht in noblen Gruften untergebracht, sondern ab Ende des 19. Jahrhunderts am 2,5 Quadratkilometer großen Zentralfriedhof in Simmering. Mehr als drei Millionen Tote wurden hier seitdem in den 330.000 Grabstellen beerdigt. Es klingt skurril, aber ein Ausflug dorthin ist ein absolutes Muss für alle, die Wien wirklich kennen wollen. Denkt man sich die Grabsteine weg, gleicht der Friedhof eher einem Schlosspark. Obendrein ist er ein einzigartiges Kulturdenkmal. Prominente Politiker, unvergessliche Schauspieler, außergewöhnliche Forscher und unsterbliche Musiker sind hier mit Ungläubigen und Gläubigen aller Konfessionen begraben. Auf dem Gelände befindet sich außerdem Wiens größte Jugendstilkirche, die wie ein Fels aus dem Gräbermeer ragt.

Wer nicht den Überblick zwischen den tausenden Gräbern verlieren möchte, sollte sich einer Themen-Führung anschließen - wirklich sehr spannend. Infos hier

 

Sankt Marxer Friedhof

Leberstr. 6–8, 1030 Wien
Öffnungszeiten: 6.30-18.30 Uhr 
Eintritt frei!


Ein weiterer wirklich sehenswerter Friedhof ist der Sankt Marxer Friedhof. Er wurde 1847 geschlossen, steht unter Denkmalschutz und gilt als einer der bedeutendsten Friedhöfe der Welt. Neben etlichen Prominenten ist hier auch Wolfgang Amadeus Mozart beerdigt. Die Stadt Wien führt den Sankt Marxer Friedhof als öffentlich zugängliche Parkanlage. Einzige Wermutstropfen: Öffentlich dauert die Anreise etwas länger (am besten mit dem Auto kommen) und die letzte Ruhe findet hier wirklich niemand. Der Friedhof liegt direkt neben der Autobahn, für einen entspannten Spaziergang nimmt man am besten schalldichte Kopfhörer mit. 

 

Friedhof der Namenlosen

Albaner Hafen, 1110 Wien
Eintritt frei!

Wer in den Auen und Wiesen rund um den Albernen Hafen unterwegs ist, sollte einen Abstecher auf den Friedhof der Namenlosen machen. Hier sind jene Menschen beerdigt, die zwischen 1845 und 1940 von der Donau am Hafen angeschwemmt wurden. Auf dem recht verwilderten Gelände lassen sich viele kleinere Grabsteine und Gedenktafeln entdecken.

 

Bestattungsmuseum Wien

Wiener Zentralfriedhof, Simmeringer Hauptstraße 234,  1110 Wien
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-16.30 Uhr (am 1. und 2. November 2014 geöffnet!)
Eintritt frei!

Skurriles und Seltsames hat sich im Laufe der Zeit im Zusammenhang mit Wien und Verwesung entwickelt. Joseph der II etwa, versuchte dem üppigen und aufwendigen Totenkult, der aus der Blütezeit der Habsburger stammte, Einhalt zu gebieten. Seine Idee: Man solle einen Sparsarg entwickeln, der am Boden eine Klappe hatte. Nach der offiziellen Beerdigung sollte die Leiche durch diese Klappe in ein Massengrab fallen. Einen solchen Sparsarg und weitere Kuriositäten kann man sich im Bestattungsmuseum Wien anschauen. Mit mehr als 1000 Ausstellungsstücken gibt das Museum einen umfassenden Einblick in das Bestattungswesen, Begräbnisrituale und das besondere Verhältnis der Wiener zum Tod.

 

Für die Lebendigen gibt's viel rund um das Thema Tod zu entdecken – vor Langeweile stirbt man jedenfalls sicher nicht!

 

Und wer den wahren Thrill sucht, sollte einen Ausflug zum Sanatorium Wienerwald machen.

Headerbild: Zentralfriedhof, (c) ruxandraale via Flickr 

 

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