Eine Markt-Bazar-Symbiose 

Der 20. Bezirk Brigittenau, von der Anwohnerzahl einer der größten Wiens, befindet sich etwas abseits der üblichen Trampelpfade des Wien-Tourismus. Wenn du an interkulturellen Begegnungen interessiert bist, bietet dir das Grätzel, wo 48 Prozent der Bewohner ausländischer Herkunft sind, darunter viele Muslime, wohl die meisten Gelegenheiten dazu.

Der Treffpunkt der Brigittenauer ist der Hannovermarkt, er liegt zwischen der Hannovergasse und der Othmargasse und wirkt durch die vielen Stände und dem dichten Gedränge der Einkaufenden mehr wie ein südländischer Bazar. Dir wird sofort auffallen, dass hier Deutsch als Fremdsprache gilt. Neben dem türkischen Obsthändler verkauft ein Serbe Fleischwaren, ein Österreicher Leberkäse-Semmeln, ein Ägypter orientalischen Produkte.

 

Steckbrief Hannovermarkt 

Das Schönste: Das Feilschen mit den Händlern.
Das Schiarchste: Wenn die Henkel deines prall mit Obst gefüllten Plastiksackerls reißen. Eigentlich wolltest du gar nicht so viel einkaufen…  
Das Merkwürdigste: Keine Dutt-Frisuren-, Hornbrillen- und Stoffbeutel-Träger weit und breit.

Das musst du probiert haben: Einen Sesamring beim Bäcker Gül in der Othmargasse. Schmeckt am besten zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens!
Das musst du gesehen haben: Den Orientflair am Markt, vor allem der ist ein guter Auftakt fürs Wochenende, besonders bei gutem Wetter.

 

Österreich-Orient-Express

Seit 1850 versorgt der Platz die Brigittenauer Speisekammern mit seinen Lebensmitteln. Bio-Fleisch, Zotterschokolade und Fair-Trade-Gemüse wirst du hier eher nicht finden, dafür einen bunten Mix aus österreichischen und orientalischen Produkten. Die Klientel besteht hauptsächlich aus Anrainern, die hier ihren Wocheneinkauf erledigen und dafür große Mengen an Obst und Gemüse brauchen.

Man bahnt sich seinen Weg durch Türme von Tomaten, roten Zwiebeln, Melanzani-Bergen und gestapelter Gurken, schiebt sich an schwatzenden Menschentrauben vorbei und wird immer wieder gebremst von schwer beladenen Ziehkoffern, die sich vor einem durch das Gewusel pflügen. Doch nicht nur Obst und Gemüse, auch preiswerter Fisch und Fleisch werden hier verkauft. Hier und da werden die Ladenzeilen unterbrochen von Gebrauchtwarenhändlern, Feinkostläden, einem Blumengeschäft, sowie typischen Wiener Beisln, Kebab-Buden und einer Trafik.

Jeden Samstag gibt’s übrigens auch einen Bauernmarkt, mit Obst, Gemüse und vielen regionalen Leckerbissen. An diesem Tag erreicht der Trubel am Marktplatz wohl seinen Höhepunkt. Daher gönne dir etwas mehr Zeit als sonst für deinen Einkauf, probiere die Kostproben, die man dir vor dem Verkauf anbietet und sei offen für ein Pläuschchen mit dem Händler. Beim nächsten Mal grüßt er dich beim Vornamen! 

 

Bäcker Gül

Die Backstube: Der Bäcker Gül in der Othmargasse hat mit Abstand die besten Brot- und Teigwaren der Gegend. Sehr zu empfehlen sind die klassischen „Simits“, die Sesamringe, in salziger und süßer Version. Natürlich gibt es auch die typischen runden Fladenbrote und klebrig-süße Baklavas mit Mandeln, Walnüssen und Pistazien. Der Ofen ist wirklich laufend in Betrieb und es lohnt sich, wenn du in den frühen Morgenstunden einen kleinen Umweg in die warme Bäckerstube planst, wo du im Notfall auch Milch, Eier und Butter für dein Frühstück am nächsten Tag kaufen kannst. 

 

Etno-Zlatibor

Zum Schmausen: Die Speisen im serbo-kroatischen Restaurant Etno Zlatibor sind zugegeben ganz schön deftig und nichts für zarte Mägen, die an Quinoa-Risotto und Tofu-Laibchen gewöhnt sind. Dafür sind die Preise sehr bürgerlich geblieben, für nicht mal 5 Euro gibt es Krautrouladen, Bohneneintöpfe und oder Gulasch. Und hinterher bist du tatsächlich satt. 

 

Saphire Restaurant

Für Wien-Besucher: Du kennst das sicher schon: Die Eltern kommen zu Besuch nach Wien und möchten mal „was Ausgefallenes“ essen. Gleichzeitig weißt du, dass man sie schonend mit ausländischer Küche vertraut machen sollte. Im Saphire Restaurant haben die Köche ihre türkischen Gerichte an heimische Geschmäcker angepasst: In der Speisekarte finden sich türkische Gerichte, die teilweise mit österreichischen Zutaten ergänzt werden, zum Beispiel Meneme mit Gouda-Käse oder umgekehrt üppige Salatteller mit Granatapfelkernen. 

 

Öffnungszeiten und Anfahrt:

Die Standln sind werktags ab 6 Uhr morgens bis 19:30 Uhr geöffnet, samstags bis 18 Uhr, die Imbissbuden von 6 in der Früh bis 21 Uhr. Zusätzlich gibt es hier jeden Samstag einen Bauernmarkt. Um zum Hannovermarkt zu gelangen, nimmst du entweder die U6 bis zur Jägerstraße, von dort die Jägerstraße 200m Richtung Brigittaplatz runtergehen und dann links in die Othmargasse. Mit der 31er Bim bis zur Haltestelle Gerhardusgasse, oder mit der Linie 5, Haltestelle Wallensteinplatz.

 

Ornella's Fazit

Auch nach Jahren in Wien, findet man immer wieder neue und spannende Viertel. Wer gerne andere Kulturen über kulinarische Ausflüge kennenlernen möchte, für den ist der Hannovermarkt die richtige Adresse.

 

Headerbild und Einleitungsbild: By Peter Gugerell (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

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