1. So Wienerisch 

Auch wenn sie eigentlich in Paris erfunden wurde, so gehört die Operette zu Wien wie Schnitzel und Wein. Nur dass letzteres in den vergangenen Jahren immer weiter perfektioniert und modernisiert wurde, alte Beisl bekamen neue Anstriche, das Biokalb wird heutzutage in frischem Butterschmalz geschwenkt anstatt in altem Fett gebadet und der Wein wandelte sich vom Glykolgesöff zu allerersten Lagen. 

Nur die Operette blieb ein Relikt aus früheren Zeiten, das Durchschnittsalter des Volksopern Jahreskartenbesitzers ist jenseits des Pensionsantritts und in Mörbisch übertreffen nur die Gelsen die Anzahl an Rollatoren. Doch das Image der Operette wird sich heuer ändern. O-MIA entstaubt das Wiener Kulturgut, präsentiert im Gasometer ein Medley aus bekannten und unbekannten Arien und traut sich – dank Videoprojektionen – mit der Tradition zu brechen. 

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2. So Sexy 

Die ersten Operetten in Paris waren kurze Werke mit grotesk-frivolem Inhalt und so sexy ging es auch in Wien weiter. Das Volk wollte unterhalten werden und wen interessiert eine erotisch verwirrte Karnevalsnacht (Eine Nacht in Venedig), fünfundzwanzig Mädchen und kein Mann, die Lust am Fremdgehen (Die Fledermaus) oder die Eheprobleme des Königs von Portugal (Das Spitzentuch der Königin) nicht mehr als der Ring des Nibelungen? Eben. Vor allem in Pre-YouPorn-Zeiten eine schöne Abwechslung.

Titelblatt zu Frauen im Metropol von Ludwig Schmidseder (Von A.Bennefeld - Collection Franz Groß, Gemeinfrei)

 

3. Absolut Verständlich 

Hast du schon einmal eine klassische Oper besucht ohne dich auf den Inhalt vorzubereiten? Da sitzt du dann auf deinen 80 Euro teuren Plätzen und liest die Untertitel anstatt auf die Bühne zu schauen. Denn ohne Übersetzung verstehst du eigentlich nur Figaro.

In der Wiener Operette singen die Sänger auf Deutsch, was dir einiges an Vorbereitung erspart. Nach dem Ticketkauf kannst du dich also einfach überraschen lassen. 

 

4. Nicht zu anstrengend 

Kurzum: Genau richtig für kulturinteressierte Menschen ohne Hang zum Masochismus. Die Operette war die Pop-Musik der damaligen Zeit und so machen die Arien auch heute noch Spaß.

Wir sind uns sicher: Mit einer coolen, neuen Operette bekommst du sogar den Kulturbanausen im Freundeskreis ins Gasometer.

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5. Trotzdem Kultur 

Und trotzdem kannst du beim nächsten Großelternbesuch mit deinem Kulturinteresse punkten. Operette ist schließlich Hochkultur fürs Volk und kein cheesy Musical mit Uwe Kröger.

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6. Seifenoper behind the szenes

Die Operetten-Stars von damals können jede Kardashian in den Schatten stellen – Seifenoper ist nichts dagegen.

So wollte Schauspielerin Helene Odilon ihren Ehemann, den beliebten Tenor Alexander Girardi kurzerhand entmündigen und in eine Heilanstalt einweisen lassen. Der Arzt des Theaters an der Wien erklärte Girardi daraufhin für geisteskrank. Im letzten Moment floh er zu Katharina Schratt, der Freundin Kaiser Franz Josephs, die das Attest verhindern konnte.

Operettendiva Fritzi Massary konnte zu ihren Glanzzeiten nicht selten ein Viertel der Abendeinnahmen nach Hause tragen. Ihre Kollegin Josefine Gallmeyer war für ihre zahllosen Affären und ihre Verschwendungssucht berühmt. Zeitweilig galt Gallmeyer als sehr vermögend, aber – wohl auch durch ihre immense Wohltätigkeit bedingt – starb sie im Alter von 46 Jahren vollkommen verarmt.

Auch Johann Strauss (Sohn) war kein Kind von Traurigkeit, er heiratete nur wenige Wochen nach dem Tod seiner ersten Frau die Schauspielerin Angelika Dittrich, die ihn vier Jahre später wegen Franz Steiner, Direktor des Theaters an der Wien, verließ. Um nach der Scheidung erneut heiraten zu können, wechselte er seine Religion und Staatsbürgerschaft. 

Alexander Girardi (Von http://www.wvlw.at/archiv/f-wienerlied.html www.wvlw.at/archiv/f-wienerlied.html, Gemeinfrei) und Josefine Gallmeyer (Von Friedrich Wendling, Wien - Bildarchiv Austria, Gemeinfrei)

 

O-MIA

Die Operette – Made im Austria haucht dem Wiener Kulturgut neues Leben ein und präsentiert ein spannendes, postmodernes Medley klassischer und vollkommen unbekannter Arien in drei Teilen. Die zweite und dritte Aufführung findet im Wiener Gasometer statt. Videoinstallationen in der zeitgenössischen Location erzeugen einen spannenden Stilbruch. Sichere dir jetzt dein Ticket:

15.08.2017 in der Toscana–Congresshalle in Gmunden.

Hier geht's zum Ticketverkauf.

19.08.2017 im Gasometer Wien.

Hier geht's zum Ticketverkauf

20.08.2017 im Gasometer Wien

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Einleitungs- und Headerbild: Die Theaterkapellmeister (v.l.n.r.) Carl Binder, Heinrich Proch, Anton Maria Storch, Franz von Suppé und Emil Titl, Komponisten der „ersten“ Wiener Operetten. Von Josef Kriehuber - Eigenes Foto einer Originallithographie aus eigenem Besitz, Gemeinfrei.

 

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit O-MIA

 

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