Als Leiterinnen von drei prestigeträchtigen Kulturstätten in Wien, arbeiten Nina Wenko, Kira Kirsch & Bettina Leidl an der Spitze der Kultur- und Kunstszene. Wir haben sie zu Feminismus im Jahr 2021 befragt, was ihre Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft sind & welche Sätze sie nie wieder hören wollen. 

 

NINA WENKO 

Leitung MQ Eigenveranstaltungen / Vermietungen & Q21

Nina Wenko (c) MQ / Katsey

 

Warum brauchen wir im Jahr 2021 Feminismus und in welcher Form?

Solange es einen Equal Pay Day gibt, brauchen wir Feminismus.
Ich bin ein großer Fan der Aktion der Künstlerin Katharina Cibulka, die ihre bestickten Netze mit immer wechselnden Slogans an Baustelleneinrichtungen im Rahmen ihres Projekts „SOLANGE – THE PROJECT“ anbringt. Mit ihren Aussagen liefert sie uns allen mehr als einen Grund, warum es Feminismus braucht.
Das Kunstprojekt ist eine Möglichkeit, Bewusstsein zu schaffen und zu schärfen. Generell geht es meiner Meinung nach darum, Diskurs anzuregen und voranzutreiben, Präsenz einzufordern und einzunehmen.

Feminismus ist jedenfalls keine Debatte, derer man müde werden kann.

 

Ist die Kunst- und Kulturszene weiblich? Wenn ja, warum?

Gewisse Bereiche in der Kunst- und Kulturszene sind vornehmlich weiblich. In der darstellenden Kunst waren in meiner Erfahrung die Bereiche Dramaturgie, Theatervermittlung, Publikumsservice etc weiblich dominiert. Regie, künstlerische Leitung, technische Leitung waren hingegen klassische Männerdomänen. Meiner Meinung nach zeigen sich damit im Kunst- und Kulturbereich gewisse Gendergaps.
Erfreulicherweise tut sich aber in den letzten Jahren diesbezüglich viel und es finden sich immer öfter Frauen in Führungspositionen im Kulturbereich.

 

Wie stehst du zu Quotenregelungen?

Die Tatsache, dass es eine Quotenregelung gibt, ist Argument genug, dass es sie braucht.

 

Welchen Satz kannst du nicht mehr hören?

Entsetzen darüber, dass ein Mann in Väterkarenz geht.

„Sei nicht so eine Emanze!“

 

Welchen Satz möchtest du gerne mal hören?

„Heuer ist der Equal Pay Day am 1. Jänner.“

 

KIRA KIRSCH 

Künstlerische Leiterin & Geschäftsführerin des brut

Kira Kirsch (c) Meike Kenn 

 

Warum brauchen wir im Jahr 2021 Feminismus und in welcher Form?

Wir brauchen ihn, weil der männliche Blick noch immer unsere Sichtweise auf die Welt dominiert. Die Wissenschaften und vor allem die Geschichtsschreibung waren Jahrhunderte lang in der Hand von Männern, unsere Gesellschaft reproduziert nach wie vor in vielen Bereichen eine dementsprechend männliche Perspektive, die oft gar nicht bewusst als eine solche wahrgenommen wird, sondern wie etwas, das neutral und selbstverständlich ist. 
Deshalb müssen männliche geprägte Normen und Hierarchien hinterfragt und bestehende Ungleichheiten als kulturelle Konstrukte entlarvt werden. Neben dem Geschlecht geht es natürlich auch um Ethnizität, Klasse, Nationalität, Sexualität, Alter etc., denn diese Kategorien finden sich in unterschiedlichsten Kombinationen und sind mitverantwortlich für die Konstitution gesellschaftlicher Machtverhältnisse.

 

Ist die Kunst- und Kulturszene weiblich? Wenn ja, warum?

Die Kunst- und Kulturszene ist weder das eine, noch das andere. Sie ist vielfältig, queer, trans*, nichtbinär, divers - wie die Initiative #ActOut beispielsweise gerade zeigt.

 

Wie stehst du zu Quotenregelungen?

Ich würde mich freuen, wenn man sie nicht mehr brauchen würde. Leitungspositionen in Kulturbetrieben etwa, vor allem in großen und repräsentativen sind überwiegend männlich besetzt. Zahlreiche Studien belegen, dass Frauen nur dann eine Chance auf diese Stellen haben, wenn es gilt Krisensituationen zu überwinden. Die Besetzung des Wiener Burgtheaters ist ein gutes Beispiel für eine  solche Praxis.

 

Welchen Satz kannst du nicht mehr hören?

Als weißer Cis-Mann kann man nur noch alles falsch machen.

 

Welchen Satz möchtest du gerne mal hören?

Der Equal Pay Day wurde abgeschafft, weil er nicht mehr nötig ist.

 

 

BETTINA LEIDL 

Direktorin des Kunsthaus Wien 

 

Warum brauchen wir im Jahr 2021 Feminismus und in welcher Form?

Leider sehen wir in vielen Bereichen der Gesellschaft, dass das Eintreten für Frauenrechte und die Errungenschaften der Feministen, wie ökonomische Gleichstellung, Vereinbarung von Beruf und Familie, Bildung, Fristenlösung usw. als zu selbstverständlich angesehen werden. Wir müssen immer aufs Neue für die Gleichberechtigung der Geschlechter eintreten.

 

Ist die Kunst- und Kulturszene weiblich? Wenn ja, warum?

Die Verdienstmöglichkeiten im Kulturbereich liegen insbesondere bei den Einstiegsgehältern unter dem Durchschnitt, deshalb ist der Kunst- und Kulturbereich für viele Männer nicht attraktiv. 

 

Wie stehst du zu Quotenregelungen?

Unbedingt - ist alternativlos!

 

Welchen Satz kannst du nicht mehr hören?

Wir haben leider keine Frau gefunden……

 

Welchen Satz möchtest du gerne mal hören?

 „Empower yourself with a good education“ Michelle Obama

 

Lust auf mehr starke Frauen? Hier kommen 5 feministische Dokus, die jede*r gesehen haben sollte!