Die Filmgalerie Achteinhalb ist ein gemeinnütziger Verein und eine der letzten Videotheken Wiens. Sie hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Filmkultur unter die Leute zu bringen. Das vielfältige Sortiment umfasst jede Menge an unterschätzten Perlen und stellt damit einen Gegenentwurf zu Netflix und Co dar. Wir geben euch 5 Gründe, die Filmgalerie in die Planung eures nächsten Filmabends miteinzubeziehen.

 

Ein Gegenentwurf zum medialen Überangebot der Streaming-Dienste

Netflix, Amazon Prime, Apple TV +, Sky und Konsorten – die Vielzahl an Streaming-Anbietern ist mittlerweile schwer überschaubar. Hochwertige Produktionen gehen bisweilen in der Fülle an Angeboten unter und werden vom potenziellen Publikum gar nicht erst entdeckt. Umso bedeutsamer ist das gezielte Kuratieren und Empfehlen durch Expert*innen wie eben den Mitarbeitenden in der Filmgalerie Achteinhalb. Warum nicht mal wieder mehr Vertrauen und Aufmerksamkeit in einen einzigen Film stecken, anstatt sich vom medialen Überangebot der Streaming-Plattformen erschlagen zu lassen?

 

Der Austausch und die persönliche Begegnung

Mit dem Aufkommen der Streaming-Angebote ist auch ein Aspekt verloren gegangen, der für die Videothekenkultur immer entscheidend war: Der persönliche Austausch, die individuelle Beratung durch kompetentes Personal und die Begegnung mit Gleichgesinnten werden auch heute in der Filmgalerie Achteinhalb großgeschrieben und können durch keinen noch so gut optimierten Algorithmus ersetzt werden.

 

Die Bildung und die kulturelle Auseinandersetzung

Die Filmgalerie Achteinhalb ist ein Ort, an dem sich Filmgeschichte, -kultur und -bildung auf einfach zugängliche Art angenähert werden kann – über die Grenzen des eigenen Horizontes und des eigenen Kulturraumes hinweg. Denn wie könnten diese Bereiche besser vermittelt werden, als durch das unmittelbare Sehen und Erleben der konkreten Werke?

 

Die Ausstellungen

Ein besonderes Angebot der Filmgalerie Achteinhalb stellen die Ausstellungen dar. Hierbei wird zu einem bestimmten Thema eine Auswahl an handverlesenen Filmen an der Ausstellungswand in der Videothek platziert. Auf diese Weise könnt ihr euch einem vielleicht bisher wenig beachteten Bereich wie dem frühneuzeitlichen europäischen Historienfilm annähern oder ein geläufigeres Thema wie den Endzeit-Film aus einem frischen Blickwinkel betrachten. Bei allen Ausstellungen gilt das Angebot „2+1“.

 

Ein riesiges Angebot an besonderen Filmen

Mit mehr als 12.000 ausgewählten Titeln deckt das Sortiment der Filmgalerie Achteinhalb so einiges ab – von aktuellen Filmen über Klassikern bis hin zu einer Fülle hochkarätiger Serien. Ihr Steckpferd liegt jedoch vor allem in den Strömungen abseits des Massengeschmacks. Jene Filme, für die man als (Hobby-)Cineast*in mitunter auf rare DVD-Imports zurückgreifen würde, bekommt man hier auf niederschwellige und kostengünstige Weise vermittelt. Wir präsentieren euch eine kleine Auswahl an angebotenen Titeln, welche die handelsüblichen Streaming-Dienste nicht abdecken, die aber aus unserer Sicht wirklich sehenswert sind.

 

„Raus aus Åmål“ (1998)

Das abgekapselte Dorfleben, Mobbing, junge Liebe, Pubertät, Selbstverletzungen – Regisseur Lukas Moodysson greift bereits im Jahr 1998 all diese Themen in einer authentischen und feinfühligen Manier auf, die selbst in der heutigen Filmlandschaft ihresgleichen sucht. Erzählt wird die unerwartete romantische Annäherung zweier jugendlicher Mädchen, die mit einer Reihe von Hürden verbunden ist.
Entgegen vieler anderer Filme, die das Thema gleichgeschlechtliche Liebe behandeln, trifft Moodysson hier wirklich die richtigen Töne. In „Raus aus Åmål“ gibt es weder fragwürdige Alterskonstellationen, noch ist eine fehlplatzierte Sexualisierung vorzufinden. Stattdessen beschert Moodysson seinen Protagonistinnen das empowernde und wunderschöne Ende, das sie tatsächlich verdienen.

 

„Der Wald der Trauer“ (2007)

Die Pflegerin Machiko betreut den älteren Herr Shigeki in einer abgeschiedenen Pflegewohneinrichtung. Im Zuge eines Ausflugs aufs Land finden sich die beiden auf einer kräftezerrenden Reise wieder, die sie nicht zuletzt mit ihren eigenen Verlust- und Trauererfahrungen konfrontieren wird.
Im Stil von Regiegrößen wie Yasujirō Ozu und Hirokazu Kore-eda schafft Naomi Kawase in ihren Filmen ganz viel Raum für die Charaktere und deren Beziehungen untereinander. Dabei gelingt es ihr, auf völlig unaufgeregte Weise die großen Fragen um Leben, Liebe, Trauer und Tod ins Zentrum zu stellen. Die geradezu meditativen Naturaufnahmen stehen oftmals in direkter Beziehung zu diesen Themen – etwa wenn im titelgebenden Wald der Trauer das Leben in jeder Ecke und jedem Winkel aufzublühen scheint. Da zwitschern die Vögel, die Bäche plätschern und die Blätter rauschen im Wind.

 

„Happiness“ (1998)

Regisseur Todd Solondz schreckt in diesem Hybrid aus Drama und tiefschwarzer Komödie auch vor den heikelsten Themen nicht zurück. In mehreren Episoden werden in „Happiness“ unterschiedliche Figuren beleuchtet. Da ist etwa der Familienvater Bill (Dylan Baker), der davon träumt, den Spielkameraden seines Sohnes sexuell zu missbrauchen. Oder der sonderbare Einsiedler Allen (Philip Seymour Hoffman), der von einer bekannten Autorin besessen ist und sie mit obszönen Anrufen bedrängt.
Auch wenn eine gewisse Überspitzung der Geschehnisse hier nicht zu leugnen ist, so werden die Figuren und ihre Lebensumstände in „Happiness“ stets ernst genommen. Die Komik entsteht organisch aus den bizarren Situationen heraus und leitet sich von der Bereitschaft der Zusehenden ab, über die Schlechtigkeit und Verkommenheit der Charaktere lachen zu können.

 

„Angst“ (1983)

„Angst“ wird in einschlägigen Kreisen mitunter als Kultfilm im Bereich Horror/Psychothriller gehandelt. Die österreichische Produktion von Gerald Kargl orientiert sich an dem realen Kriminalfall um Werner Kniesek. Erzählt wird die Geschichte von einem Mörder, der aus dem Gefängnis entlassen wird und aus einem Impuls der reinen Lust heraus beschließt, eine Familie zu ermorden. „Angst“ ist dabei definitiv keine einfache Seherfahrung und gerade in seinen drastischen Gewaltszenen sowie den direkten Bezügen zu den realen Geschehnissen durchaus angreifbar. Nicht umsonst zählt Skandalregisseur Gaspar Noé ihn zu seinen Lieblingen und bediente sich hier vor allem für seinen Debütfilm „Menschenfeind“ einer Reihe stilistischer Einflüsse.

 

Interesse geweckt? Dann schaut doch mal bei der Webseite der Filmgalerie Achteinhalb vorbei. Dort könnt ihr bequem von zu Hause aus nach dem gewünschten Titel im Sortiment suchen!

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Freizeit, 14.2.24