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Du bist gerade aus der Bundeslandprovinz nach Wien gekommen und kennst dich vor lauter „ur leiwand“ und U-Bahn-Plänen gar nicht mehr aus? Hier eine Hilfestellung, wie du es in 10 Schritten zum eingefleischten Wiener Stadtkind schaffst und dich zu Semesterbeginn schon ganz wienerisch fühlst.

 

1. Schritt

Die grundlegendste Regel im Wiener Fußgängerverkehr ist gleichzeitig das Amen im Gebet der U-Bahn-Höflichkeit und eine Richtlinie, durch deren Befolgung du so manchem „heast, bist teppat“ und arroganten Städterblicken alias „blödes Landei“ entgehen kannst: Steh immer rechts auf der Rolltreppe. Egal ob in der U-Bahn oder im Einkaufszentrum. Immer. Außer du gehst. Dann darfst du dich aalglatt, elegant und dynamisch links vorbeischleichen.

Merke: Rechts stehen, links gehen!

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2. Schritt

Wenn du in Wien nach einem ordentlichen Essen aus dem Lokal gehst, geh einfach. Zu Hause warst du es gewöhnt, dich im Gänsemarsch hinter Mami und Papi recht höflich bei jedem zweiten Tisch zu verabschieden – auch wenn du die Leute noch nie zuvor gesehen hast. „Servus, Wiederschaun, Servus, Pfiat eich.“, entlarvt dich in Wien sofort als zugereisten Provinzler.

Merke: Nicht Grüßen beim Restaurant verlassen.

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3. Schritt  

In der Provinz bist du bestimmt mit Rad, Moped, Auto und Traktor gefahren, um von A nach B zu kommen, und hast dich im Ökosystem Straße sicher gefühlt. In der Stadt wirst du hauptsächlich öffentlich fahren oder mit dem Rad, was zu mehr Fußmärschen führt. Bei diesen, sei gewarnt! Auto- und Radfahrern in Wien sagt die Idee „Der Fußgänger ist das schwächste Glied im Straßenverkehr“ wenig bis gar nichts. Achte daher, wenn du es ins zweite Semester schaffen willst, auf die bunten Bodenmarkierungen, die Radwege ausweisen und überquere Straßen tatsächlich nur nach dem Schulbuchprinzip: Bei grün.

Merke: Wien ist sprichwörtlich ein hartes Pflaster.

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4. Schritt

Du hast es endlich geschafft, deine U-Bahn Linien auszuforschen und weißt sogar den richtigen U-Bahn-Eingang? Gut. Aber das ist erst der Anfang. Mach dich gefasst auf Verwirrungen zwischen Schottenring und Schottentor – nein das ist nicht das gleiche, und ebenso Heiligenstadt und Hütteldorf. Das ist schon gar nicht dasselbe. Hast du auch das intus, geht es zum Eingemachten: Merke dir, bei welchen Türen der U-Bahn du einsteigen musst, damit du am Zielort beim richtigen Röhrenausgang ankommst. Das nennt sich Fahrplanoptimierung oder "Urban Tactics" und kann dir einiges an Zeit bzw. Untergrundfußmeter ersparen.

Merke: Mitdenken beim U-Bahnfahren.

Grafik von Peter Gordebeke

 

5. Schritt

Wien ist eine große Stadt. Das heißt, man kennt bzw. erkennt dich hier nicht wieder. Und das wiederum heißt, dass es ganz wurscht ist, mit wem du am Dienstag Abend oben ohne nach 14 Shots im Loco geschmust hast – dich wird am Mittwochvormittag nicht die Cousine zweiten Grades anrufen und fragen, ob das stimmt was sie da vom Freund ihrer Freundin und die von dessen Bruder gehört hat.

Merke: Keine Angst, keiner kennt dich. 

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6. Schritt

Du solltest auch wissen, dass gewisse Straßen- bzw. U-Bahnlinien in Wien ortstechnisch bedingt eine sehr außergewöhnliche Fahrgastschaft anziehen. Paradebeispiel hierfür ist die viel zitierte U6. Außerdem sind die Leute mit den blauen Lippen, die oft bei der Josefstädter Straße einsteigen, keine Trendsetter der Fashion Week, sondern eher in anderen Sphären - dafür aber meist sehr ungefährlich. 

Merke: Meide die U6 wenn es geht, wenn nicht, bring einen Mundschutz.

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7. Schritt

Von zu Hause bist du es gewöhnt, mit dem Vorglühen nach dem Essen zu beginnen, also gegen halb acht. Und dann ging es nach drei Bier und einer Flasche Obstler vom Opa in die lokale Disko, so gegen zehn/halb elf, wo die versammelte Meute bereits in guter Stimmung war. Wenn du gegen zehn vor der Grellen Forelle, dem Volksgarten oder der Pratersauna auftauchst, könnte es gut sein, dass du gleichzeitig mit der Lieferung der noch ungekühlten Getränke für die Nacht ankommst. Geh heim, schlaf ein bisschen, trink einen Espresso on top und dann bist du gegen halb zwei auch total urban, wenn du auf die Schlange vor den Eingängen triffst.

Merke: Warten lohnt sich. Man feiert kaum vor Mitternacht.

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8. Schritt

Apropos Vorausplanung. Du denkst dir vielleicht am Donnerstag mit deinen Mitbewohnern um 18:30 Uhr, ihr hättet heute gerne eine Pizza vom Italiener ums Eck. Obwohl du mit „Ciao, ich hätte gerne einen Tisch für drei Personen“ und einem charmanten Lächeln das Lokal betrittst, sagt der Kellner nur im vorbeilaufen: „Keine Reservierung, kein Tisch.“ Selbiges passiert euch beim Chinesen, beim Beisl und bei einem zwielichtigen undefinierbaren Lokal, sodass ihr am Ende stehend einen Döner im Neonlicht essen müsst.

Merke: Keine Reservierung, kein Tisch.

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9. Schritt

Die Umstellung von Hotel Mama auf Selbstversorgung ist sicherlich kein Zuckerschlecken. Hinzu kommt, dass du im Supermarkt auf wenig Kooperation hoffen darfst. Erstens kennt man dich nicht und grüßt dich auf nicht mit Namen. Zweitens darfst du dir wenig von Auskünften erwarten. „Schauns bittschen selbst wo´s das finden, segns ja wohl, dass i di Händ´voll hab“ ist noch das Nettere, was du zu hören bekommst.

Merke: Lieber länger suchen als fragen.

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10. Schritt 

Sprache! Am leichtesten wird man dich in Wien als Landei entlarven, wenn du den Mund aufmachst. Hier musst du nun entscheiden, ob du dich überhaupt wienerisch assimilieren möchtest. Wenn nein: Gratuliere zum guten Geschmack. Wenn ja: Versuche Schlüsselwörter wie „lei, voi, xi“ oder landläufig beliebte Suffixe Konstruktionen wie „Vogale, Tellerle, Autole“ beinhart durch ur oder leiwand oder ur leiwand zu ersetzten. Und schon bist du waschechter Wiener.

Merke: Dialekverleumdung kann manchmal (!) Wunder wirken.

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Headerbilder: Andrew Welch und Julia Haupt via Unsplash

 

 

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