Zwischen all den Dark Chocolate Brownies, Macadamia-Fudge-Cakes, den Muffins und CupCakes im pinkfarbenem Barbie-Ambiente, sehnen wir uns manchmal nach einer einfachen Sachertorte, nach Kellnern, die verständnislos den Kopf schütteln, wenn die Damen am Nachbartisch nach Sojamilch fragt. Wir wünschen uns Kaffee mit einer kräftigen Schlagoberskrone (denn bei den Tortenspezialitäten ist eh schon alles wurscht) oder einen schlichten großen Braunen zur Sonntagspresse.

 

Café Schwarzenberg 

Kärntner Ring 17, 1010 Wien

Optisch definitiv eines der schönsten traditionellen Kaffeehäuser der Innenstadt. Und da es ganz am Rande des ersten Bezirks liegt, wird es noch immer von vielen Touristen verschmäht. Das wundervoll hergerichtete Interieur stammt aus der Jahrhundertwende, die Kellner tragen Frack und sind so unfreundlich, wie man es heute nur noch selten in Wien erlebt. Und auch wenn viele Bewertungen was anderes sagen: Wir waren immer sehr zufrieden mit den – natürlich recht teuren – Tortenspezialitäten. Kleiner Wehmutstropfen: Man sitzt sehr eng beisammen. 

 

Cafè Central 

Herrengasse 14, 1010 Wien

Gemütlich ist anders, hier fühlt man sich immer ein bisschen wie im VIP Bereich einer Bahnhofshalle zur Jahrhundertwende. Die kleine Sisi wartet auf ihren Franzl… Trotzdem ist das Palais Ferstl an Eleganz kaum zu überbieten. Und auch die Küche weiß, was sie tut. 90 Punkte und drei Tassen vom Faltstaff Guide können sich sehen lassen.

 

Café Museum 

Operngasse 7, 1010 Wien

Die schlichte, sehr stilvolle Variante des traditionellen Kaffeehauses. In größer Runde sitzt man sehr schön in einer der Nischen. Auch das Programm ist wohlüberlegt: Hier finden regelmäßig Lesungen von teils sehr berühmten Autoren statt. Das Museum gehört übrigens wie das Café Landtmann, das Café Mozart und das Café Residenz zur Querfeld Dynastie.

 

Café Ritter 

Mariahilferstraße 73, 1060 Wien

Wie eine Oase zwischen Libro und Pimkie bietet das Café Ritter Erholungssuchenden während einer Shoppingtour Unterschlupf. Hier wird leise Klaviermusik gespielt, das Interieur steht unter Denkmalschutz, die prachtvollen Deckenleuchter geben gedämpftes Licht und die leicht vergilbten Stuckdecken erinnern an frühere Gäste wie Friedrich Adler, Ludwig Anzengruber oder Peter Rosegger. Aber die waren eh auch in jedem anderen Kaffeehaus.

 

Café Sperl 

Gumpendorferstrasse 11, 1060 Wien

Das Café Sperl ist eines der ganz wenigen Kaffeehäuser Wiens, die weder richtig ranzig noch künstlich aufpoliert sind. Charme, Tradition und Geschichte reichen vom roten Samt der Polster bis zu den goldenen Lampenlüstern. Nur leider, wie so viele Kaffeehäuser, leicht überteuert.

 

Café Korb 

Brandstätte 9, 1010 Wien

Inhaberin Susanne Widl war ein It-Girl der 80iger, vielleicht die schönste Frau Wiens, Model und Performance-Künstlerin. So bekommt sie auch heute noch regelmäßig hohen Besuch von szenebekannten Wiener Urgesteinen. Laut Time Magazine gibt es hier den besten Apfelstrudel Wiens. Mehrfach die Woche finden Lesungen, Diskussionen und kleine Konzerte statt.

 

Jelinek

Otto-Bauer-Gasse 5, 1060 Wien

Einer der angesagtesten Hipster-Bobo-Treffs im sechsten Bezirk, der allerdings niemals aus der Mode kommen wird. Jeder zweite Gast scheint an einem kreativen Projekt zu arbeiten oder eben davon zu pausieren und derweil lieber in der Zeitung zu blättern und einen großen Braunen zu trinken. Zeit sollte und muss man mitbringen. 

 

Café Prückl 

Stubenring 24, 1010 Wien

Nachdem ein lesbisches Pärchen des Cafés verwiesen wurde, zog das Prückl zu Recht den Zorn vieler Wiener auf sich. Wir wollen nicht darüber hinwegsehen, aber wir hoffen, es hat aus dem mega Shitstorm gelernt. Denn eigentlich ist es zu schön, um es langfristig zu meiden. Komplett im 50er Jahre Design von Oswald Haerdtl.

 

Café Goldegg

Argentinierstraße 49, 1040 Wien

Das Goldegg schafft den Spagat zwischen traditionellem Kaffeehausstyle inklusive jeder Menge Patina, Billardtisch, grünem Samt und goldenen Lüstern und guter, moderner Küche. Das Frühstück schafft es weit über die obligatorische Marmeladensemmel hinaus und auch zu Mittag gibt’s vom Ayurvedischen Gemüse-Curry bis zum Cheese-Burger weit mehr als Sacherwürstl und Käseschinkentoast.

 

Café Westend 

Mariahilfer Straße 128, 1070 Wien

Böse Zungen behaupten das Westend würde bloß noch von erschöpften Shopping-Touristen existieren, sei alt und ranzig und heillos überteuert. Stimmt alles und trotzdem haben wir es sehr lieb. Es erinnert uns an eine alte Dame mit verrutschter Perücke und angepatzter Seidenbluse, die mit ihrem Stock erhobenen Hauptes freche Teenager verprügelt und etwas zu laut über die neuen Zeiten schimpft. Und das hat etwas sehr Beruhigendes.

 

Headerbild: Kaffeehaus Schwarzenberg“ von laerpel lizensiert über CC BY-NC-SA 2.0 via Flickr  

Und wer doch lieber Brownies und Muffins isst, der findet hier das passende Café.

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