Vor einer Woche haben wir euch gezeigt, warum die Operette cooler ist als ihr Ruf. Im zweiten Teil unserer Operetten-Serie wird es konkreter. Das Projekt O-MIA versucht das etwa staubige Image der Operette aufzupolieren und interpretiert alte Klassiker ganz neu. Der bekannte Tenor und Kopf des O-MIA-Teams, Herbert Lippert, hat uns erzählt, wieso die Operette immer noch zeitgemäß ist und wie die „kleine Oper“ ins Jahr 2017 passt.

Herbert Lippert in "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny"

 

Lustiger als Oper, schöner als Musical

Im Unterschied zur klassischen Oper ist die Operette eingängiger, meist lustiger und auch besser verständlich (oder könnt ihr alle super italienisch?) In der Hochkultur, zumindest wie sie von Staatsopern-Abo-Besitzern oder Monteverdi-Fans gesehen wird, befindet sich die Operette immer etwas unter der Oper. Weil sie oft „nur“ eine komödiantische Handlung hat und zwischen den Musikstücken auch gesprochen wird, wurde die künstlerische Leistung weniger anerkannt, als bei einer traditionellen, dramatischen Oper.

Die Wiener Volksoper gilt als das führende Operettenhaus der Welt. Während hier in dieser Saison allseits bekannte Operetten wie Johann Strauss‘ Fledermaus und Carl Millöckers Bettelstudent gezeigt werden, wird bei der Aufführung von O-MIA auch auf komplett unbekannte Arien nicht vergessen. Diese singt Herbert Lippert sogar lieber, als berühmte Stücke: „Es stehen dem Publikum keine Aufnahmen zur Verfügung, die Hörgewohnheit wird geschärft und der Sänger hat die Möglichkeit einer vollkommen unbedarften Interpretation.“

 

Wie passt Johann Strauß ins Jahr 2017?

Die Operette ist aktueller denn je. Vor 150 Jahren half sie den Menschen durch eine schwierige politische Zeit, sie brachte Heiterkeit und „Walzerseligkeit“. Dies kann man auf die heutige Gesellschaft quasi direkt umlegen. Musik und Kultur bilden einen direkten Gegenpol zur Hektik des Alltags und zur ständig fortschreitenden Modernisierung unseres Lebens. Die Message des Walzerkönigs von Johann Strauß hat somit nicht an Aktualität verloren. Die erfrischende Musik ist zeitgemäßer denn je. Herbert Lippert liebt außerdem die intensive, vordergründige Melodik der damaligen Musik. Sie kommt ohne aggressiven Rhythmus aus und war/ist trotzdem bewegt und vitalisierend.

Was ist bei O-MIA anders?

Auch wenn die Grundpfeiler gleich bleiben, so ist der Zugang bei O-MIA doch ein ganz anderer als Ende des 19. Jahrhunderts. Das Publikum soll, weg vom gewohnten Klischee, unterhalten und informiert werden. Die gute Laune und die Unterhaltung wird mit sozialkritischen Statements und zeitkritischen Infos vermischt. 

Das Jugendorchester der Wiener Philharmoniker tut ihr Übriges dazu, damit der Klang unverwechselbar und erfrischend wirkt.

 

Neues Haus – neuer Sound?

Apropos Klang. Das Wiener Gasometer ist (Gott sei Dank) nicht die Staatsoper. Hier gibt es keinen Teppichboden, keine Gläser Sekt um 12 Euro und auch keinen Dresscode. Laut Herbert Lippert ist die Akustik im Gasometer erstaunlich gut, auch wenn man dies erst bei der Vorstellung eindeutig erkennen wird. Die Halle ist prinzipiell nicht für große Orchesterkonzerte konzipiert, doch bei diesem Projekt hält man sich nicht an starre Regeln, sondern wagt auch mal was Neues.

Herbert Lippert in "Die Fledermaus"

 

Videoprojektion statt Samtvorhänge

So wird es hier kein klassisches Bühnenbild geben, sondern es wird viel mit Videoprojektion gearbeitet. Mit spektakulärem Lichtdesign und Technik wird es möglich, das Kaiserreich, die Zwischenkriegszeit und die Gegenwart miteinander verschmelzen zu lassen. Vergesst also altmodische Samtmöbel und Tapeten – hier trifft klassischer Gesang auf High Tech. Ein Stilbruch, der die Operette ins Jahr 2017 befördert.

Wer sich die crazy Aufführung mit einem Medley - von Fledermaus bis Zirkusprinzessin - nicht entgehen lassen möchte, bekommt hier die Tickets:

 

15.08 in Gmunden:

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19.08. in Wien:

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20.08. in Wien: 

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit O-MIA.

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Kultur, 26.7.17