All the world’s a stage: Und alle Menschen bloße Spieler. Glaubt man Shakespeares Worten aus dem Stück As You Like It, spielen wir alle Theater. Dass sich gerade in Bars und Restaurants gut schauspielern lässt, ist zumindest empirisch hinreichend bewiesen; nach oder vor einer alkoholgeölten Einlage gleitet man auch einfach besser in die inszenierte Immersion.

Und tatsächlich haben einige Bühnen in Wien eigene Bars, die mehr als das herkömmlich fade und meist überteuerte Theaterbuffet mit mikroskopischen Clubsandwiches oder Erdnüsschen um 5 Euro zu bieten haben: Überraschendes Essen, besonderes Interieur und vor allem viel Charakter. Die schönsten Lokale im Theater stellen wir hier vor.

 

USUS im Schauspielhaus

Porzellangasse 13, 1090 Wien

Seit das kreative Kollektiv USUS um Patrick Müller und Sebastian Malz ins Schauspielhaus eingezogen ist, kann man hier nicht nur Theater, sondern auch Küche auf höchstem Niveau erleben: Schlichtheit ist hier wenn nur ein Bluff, tatsächlich geht Küchenchef Patrick Müller instinktiv bis assoziativ vor: So werden aus den simplen Signen der Speisekarte (Suppe, Salat, Fisch, Fleisch oder Gemüse) die überraschendsten Kreationen gezaubert. So wie im Schauspielhaus Theater gemacht wird, wird hier auch gekocht: furchtlos, offensiv und voller Energie.

 

 

Bar im Bronski & Grünberg

Müllnergasse 2, 1090 Wien

(siehe Headerbild)

Klein (70 Sitzplätze), aber sehr fein ist das Bronski & Grünberg im Servitenviertel, nur einen Steinwurf vom Schauspielhaus entfernt. Auf der Wiener Off-Bühne ist nicht nur die Stückauswahl handverlesen und garantiert zeitkritisch umgedeutet, auch die kleine Bar im Haus sieht aus wie etwas, das aus der Zeit und dann wieder kopfüber in die Spätmoderne gefallen ist: Altmodische Holzvertäfelungen koexistieren hier mit wilden Flamingotapeten, plüschigen Theatersesseln und autonom-ästhetischer Sitzverteilung. Eigentlich möchte man im Bronski & Grünberg gleich wohnen!

 

Restaurant Vestibül im Burgtheater

Universitätsring 2, 1010 Wien

Wer es etwas gehobener mag (oder die Eltern beeindrucken will), geht in die Burg. Im historischen Seitentrakt des Theaters, also der kaiserlichen Kutscheinfahrt und dem angrenzenden Marmorsaal, befindet sich das Restaurant Vestibül, das natürlich mit gastronomischen Höchstleistungen aufwartet: Die mit mehreren Sternen und Hauben ausgezeichnete Küche von Veronika Doppler und Christian Domschitz serviert Gänseleber, Entrecôte und Hummer und hat natürlich eine ausgewählte Weinkarte. Eigentlich bleibt da fast gar keine Zeit mehr fürs Theater, aber das ist auch in Ordnung: Ein Besuch im Vestibül ist schon Spektakel genug.

 

Rote Bar im Volkstheater

Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien

Wegen Umbau des Volkstheaters gerade geschlossen!

Besonders schön ist die Atmosphäre in der Roten Bar im Volkstheater: Umgeben von purpurfarbenem Samt und opulenten Kronleuchtern kann man hier vor oder nach dem Stück – oder während der Pause – eine Kleinigkeit kredenzen und das Gesehene durchsprechen. Und wenn man nicht so lange stillsitzen mag: Hier finden auch immer wieder coole Partys statt, allen voran die beliebte Reihe „Männer im Rotlicht“, die dem pompösen Ambiente mit 90s- und 00s-Trashmusik einen herrlich tanzbaren Gegenpol bietet.

 

Avalon Kultur unweit vom Theater in der Josefstadt

Pfeilgasse 27, 1080 Wien

Zuletzt noch ein persönlicher Tipp für Freunde des ältesten Aufführungshauses der Stadt: Das Theater in der Josefstadt hat zwar wie die meisten klassischen Häuser ein Buffet in zugegeben imposantem Ambiente, deutlich gelassener ist die Stückbesprechung aber im Avalon Kultur in der Pfeilgasse, zu dem man nach der Vorstellung einfach hin spazieren kann. Im holzvertäfelten Beisl bekommt man noch eine stärkende Suppe oder eine Brettljause und ein kühles Bier und kann die Inszenierung in alle Ruhe durchkauen. 

Header und Vorschaubild: (c) Bronski & Grünberg 

Du stehst auf Kunst & Kultur, aber noch mehr auf Lokale? Dann findest du hier auch noch die schönsten Museumslokale.

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