Fipsi ist einer von tausenden Obdachlosen Wiens. Wir haben ihn an seinem 48. Geburtstag getroffen und durften seine Geschichte filmen: 

 

Erst Häfn, dann Straße: Fipsis Geschichte

Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, verlor er seine Wohnung. Plötzlich war er obdachlos. Siebeneinhalb Jahre musste er von Heim zu Heim ziehen, bis er schließlich einen Platz in einem betreuten Wohnheim bekam. Doch auch dort gab es Probleme, Fipsi wurde in eine Schlägerei verwickelt und musste das Heim wieder verlassen. Seit dem 15. Dezember sitzt er nun zum zweiten Mal auf der Straße. 

Fipsi ist seit kurzer Zeit nicht mehr alleine. Vor fünf Monaten hat er sich in eine Frau verliebt, die er schon seit über dreißig Jahren kennt. Beide teilen ein ähnliches Schicksal, zu zweit ist es etwas leichter zu ertragen. Wenn sie zusammen durch die Stadt laufen, denkt niemand, dass beide obdachlos sind und täglich in einer Notschlafstelle übernachten müssen. 

Doch genau das tun sie. Immerhin in einem Pärchen-Zimmer. Ihr Schlafquartier müssen sie täglich in der Früh räumen und den Tag draußen verbringen. In das Zimmer dürfen sie nämlich erst am Abend wieder. Die Obdachlosenhilfe in Wien sieht Fipsi sehr kritisch. Ihn stört die Unordnung in vielen Notschlafstellen, der Gestank und der Umgang: So wurden am Tag der Weihnachtsfeier alle „Bewohner“ rausgeworfen. Gerade bei Minustemperaturen im Dezember, nicht besonders besinnlich.

Fipsi möchte nicht ewig obdachlos bleiben, er versucht sich einen geordneten Tagesablauf aufzubauen und seine Situation zu verbessern. Auf der Straße zu betteln kommt für ihn nicht in Frage. Dafür schämt er sich zu sehr. Statt den gesamten Tag in der Gruft, dem Betreuungszentrum der Caritas für Obdachlose, zu verbringen, nutzt er jede Möglichkeit rauszukommen um sein Leben aktiv zu gestalten. So ist sein Lieblingsplatz in der Natur, weit weg von Großstadtlärm und Menschenmassen. 

 

 

 

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