Hört man Frau Doktor Fenzel zu, erzählt sie und hört nicht mehr damit auf. Erzählt über frühere Leben. Ihre Familie. Ihre Tode. Ihr Pläne. Folgen kann man ihr dabei nur sehr schwer. Zu verworren sind ihre Erzählungen. 

 

Alleine. Isoliert. Hoffnungslos.

An ihre Kindheit erinnert sie sich nicht gerne. Während sie bei ihrer Oma aufwuchs, weil ihre Eltern sie nicht wollten, wurde ihr Stiefbruder geliebt und verwöhnt. Ihr Mann erleichterte ihr Jahre später das Leben. Mit ihm musste sie sich nicht mehr so sehr den Kopf zerbrechen. Als dieser jedoch unerwartet starb, stand sie plötzlich wieder alleine im Leben. Alleine mit jeder Menge Schulden und auf der Straße. Danach war sie 13 Jahre weg, wie sie selbst sagt. 

Wirklich wieder da scheint sie noch immer nicht zu sein. Den Optimismus und die Hoffnung auf Besserung hat sie verloren. Die Kraft etwas zu ändern hat sie nicht. Hilfe erfährt sie keine und wahre Freunde gibt es für sie nicht. Sie wurde zu oft ausgenutzt.

Frau Fenzel verbringt ihre Tage in der Gruft, einem Obdachlosenzentrum. Mit mehreren Koffern Habseligkeiten. Ihre Kleider. Ihr Hab. Ihr Gut. Immer an ihrer Seite. 

Soziale Kontakte meidet sie. Die Zeit vertreibt sie sich mit Lesen und ihre Nächte verbringt sie in einem Notschlafquartier. So lebt sie vor sich hin mit dem kleinen Wunsch, irgendwann eine neue Welt schaffen zu können.

 

Ein weiteres Video zum Thema "Obdachlos in Wien" gibt es hier.

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