Schlechtes wetter bekämpft man am besten mit guter Indoor-Ablenkung, wie zum Beispiel einem guten Buch. Um dabei dennoch das Gefühl zu haben, in Wien zu sein (und das ganz ohne dabei in die Kälte rausgehen zu müssen) bieten sich diese Bücher mit Wien als Schauplatz und Protagonistin an. 

 

Die Strudlhofstiege – Heimito von Doderer

Doderers Panoptikum Wiener Persönlichkeiten konzentriert sich auf einen ganz bestimmten Teil der Stadt: der 9. Bezirk rund um Franz-Josefs-Bahnhof, Julius-Tandler-Platz und die namensgebende Strudlhofstiege. Die verschiedenen Handlungsstränge, denen nicht immer ganz leicht zu folgen ist, liefern ein atmosphärisch dichtes Bild vom Wien der 1920er.

 

Malina – Ingeborg Bachmann

Malina, einer der sprachlich schönsten und inhaltlich anspruchsvollsten Romane der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, beschränkt sich auf ein noch kleineres Gebiet: die Ungargasse im 3. Bezirk. Hier liegt die Wohnung der namenlosen Ich-Erzählerin, die sich in einer Dreiecksbeziehung wiederfindet – mit Ivan und Malina, dessen rätselhafte Präsenz ein literarischer Geniestreich Bachmanns ist.

 

Der Mann ohne Eigenschaften – Robert Musil

An ganz langen Winterabenden kann man sich an dieses Epos wagen - es lohnt sich, in die Welt Kakanien – das großbürgerliche kuk-Wien Musils – einzutauchen und Originale wie den Protagonisten Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften, oder den Serienmörder Moosbrugger kennenzulernen.

 

Brief einer Unbekannten & Die Welt von gestern – Stefan Zweig

Stefan Zweigs Novelle "Brief einer Unbekannten" ist eine tragische Liebesgeschichte, beinahe kitschig, aber die perfekte Lektüre für den Abend, die Badewanne, die U-Bahn-Fahrt. Die Welt von gestern hingegen ist eine sehr persönliche Geschichte Wiens und seines intellektuellen und politischen Geisteslebens von der Jahrhundertwende bis hin zum 2. Weltkrieg. Ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument und absolute Pflicht für jeden, der Wien besser kennen und verstehen lernen möchte.

 

Der Trafikant – Robert Seethaler

Wien vor dem zweiten Weltkrieg, durch die Augen des Trafikantenlehrlings Franz gesehen. Dieser ist gerade aus dem Salzkammergut nach Wien gezogen und trifft hier auf verschiedene Menschen - darunter seine vermeintlich große Liebe und Sigmund Freud. Ein feinsinniger Roman, der ganz wie nebenbei Politik und Liebe miteinander verbindet und mit viel Humor ein durch und durch wienerisches Wien zeichnet.

 

Die Klavierspielerin – Elfriede Jelinek

Nichts für Zartbesaitete ist Jelineks Meisterwerk über Erika Kohut, deren Leben von zwei Dingen geprägt wird: Klavierspielen und sadomasochistische Beziehungsmuster. Jelineks einnehmende Sprache lässt einen der Protagonistin ins Konzerthaus, alte Wiener Pornokinos und den Prater folgen.

 

Komm, süßer Tod – Wolf Haas 

Diese Liste wäre nicht komplett ohne den legendären Band der Krimireihe rund um (Ex-)Polizist Brenner, welcher in den Murnberger-Verfilmungen vom genialen Josef Hader verkörpert wird. Sowohl Haas‘ Sprache als auch seine skurillen Charaktere sind so unterhaltsam, da vergisst man jeden Regen und Gatsch vor der Haustüre.

 

Leutnant Gustl – Arthur Schnitzler

Die Novelle folgt (quasi in Echtzeit) den Gedanken Gustls, der nach einem Streit, Gedanken um Ehrverlust und Selbstmordpläne wälzend, den Prater durchquert - die erste deutschsprachige Verwendung des „inneren Monologs“ (nachzulesen auch bei seinem berühmten Vertreter James Joyce - wenn man ganz viel Zeit und Muße hat).

 

Vienna – Eva Menasse 

In ihrem Romandebüt erzählt die Journalistin Menasse die Geschichte einer Wiener Familie mit jüdischen Wurzeln. Hinter dem vielversprechenden Romantitel verbirgt sich auch die literarische Tradition der Wiener Familienanekdoten, siehe nächstes Buch...

 

Die Tante Jolesch – Friedrich Torberg

Die großartige Sammlung von Anekdoten aus dem Wiener Milieu ist ein Klassiker und eine gute Einführung für alle, die den ureigenen Schmäh dieser Stadt und ihrer liebenswert-bis-unausstehlichen Bewohner und Bewohnerinnen kennenlernen möchten. 

 

Und hier gibt's die schönsten Buchhandlungen Wiens. Und wer lieber Filme schaut, als Bücher liest (oder beides gerne tut), findet hier die schönsten Wien-Filme mit ihren Schauplätzen.

Header- und EInleitungsbild: Photo by Steve Halama on Unsplash

Mehr zum Thema
 
 
 
Freizeit, 10.12.16