Immer mehr Menschen versuchen sich daran, die eigenen Cremes, Deos oder Badeöle zu mischen. Und das aus gutem Grund: es macht Spaß, man kann (muss aber nicht) kreativ sein und die Kosmetik individuell an sich anpassen, sie fühlt sich gut auf der Haut, eignet sich meistens als Geschenk und ist in vielen Fällen nachhaltiger als gekauft. Es ist etwas Tolles, den Entstehungsprozess zu erleben: verschiedene Öle, Erden etc. zu verrühren und am Ende dann das fertige Produkt in den Händen zu halten, das genau den eigenen Bedürfnissen entspricht. Außerdem - und das ist ein großes Außerdem: Wer etwa einmal die App CodeCheck benutzt hat oder einen Blick auf die Inhaltsstoffe der meisten Kosmetikprodukte geworfen hat, wird darunter schnell einige ziemlich bedenkliche bemerken. Nicht selten schaden sie unserer Gesundheit und oft genug auch der Umwelt und Tieren. Aber wozu eigentlich? Weniger ist hier so oft mehr. Bei selbstgemachter Kosmetik ist es ein gutes Gefühl, zu wissen, was genau denn eigentlich im Produkt drinnen ist. Zusätzlich wird auch einiges an Verpackungsmüll gespart.

Kosmetik zu machen ist einfacher, als du jetzt denkst. Trotzdem gibt es sehr hilfreiche Tipps und auch ein paar Dinge, die du vor dem Anfangen unbedingt wissen solltest. Um dir beim Einstieg eine lange Recherche zu ersparen, findest du hier die wichtigsten Grundlagen auf einen Blick. Schritt für Schritt, auch für Anfänger*innen. Und dazu natürlich gleich tolle Anleitungen, damit du sofort starten kannst.



Zutaten - die Basics

Grundsätzlich werden vor allem verschiedene Öle, Wachse und Butter, aber auch etwa Stärken und Erden für Kosmetik verwendet. Hier ist eine genauere (kleine) Auswahl von typischen Inhaltsstoffen, auf die du sicher noch öfter stoßen wirst - inklusive Wirkung und Anwendung. Musst du natürlich nicht im Detail wissen - das beste Gefühl dafür wirst du sowieso durch die Übung bekommen -, ist aber gut zur Orientierung und bei Interesse.


Öle

- Kokosöl ist ein echter Alleskönner. Es ist antibakteriell, reinigend und hautpflegend, auch fest bei Raumtemperatur und so ideal für Rezepte wie etwa Seifen, Deos und Lippenpflege. Es spendet viel Feuchtigkeit, verleiht Glanz, bleibt lange auf der Haut und schützt sie. Im Gesicht aber eher sparsam anwenden, um die Poren nicht zu verstopfen.
- Mandelöl ist sehr gut verträglich (auch für Babys) und optimal für trockene und empfindliche Haut. Gibt beispielsweise Cremes eine angenehme, geschmeidige Konsistenz. Wird außerdem oft für beispielsweise Gesichtsmasken, Badezusätze, Shampoos und Lippenbalsam verwendet.
- Ein paar weitere beliebte Öle sind Oliven-, Avocado-, Jojoba- und Hanföl.


Butter

- Sheabutter wird aus der Nuss des afrikanischen Sheabaums gewonnen, spendet Feuchtigkeit und ist deshalb ideal bei trockener und empfindlicher Haut. Außerdem enthält sie viel Vitamin E und eignet sich besonders gut für feste Produkte, die trotzdem noch eine gewisse Weichheit haben sollen. Sie sollte so wenig wie möglich erhitzt werden. In unraffinierter Sheabutter (ist leicht beige, nicht weiß) bleiben übrigens deutlich mehr Nährstoffe enthalten und sie ist naturbelassen, während raffinierte chemisch verarbeitet und weniger wirkungsvoll ist.
- Auch Kakaobutter ist besonders feuchtigkeitsspendend und macht die Haut weich. Aufgrund ihrer Härte wird sie vor allem für Kosmetik wie festes Shampoo oder Lotion-Bars verwendet.

Wachse

- Bienenwachs bleibt wie alle Wachse auch bei höheren Temperaturen fest und bildet einen pflegenden Schutzfilm, weshalb es vor allem bei Trockenheit und etwa für eine feste Body Lotion, Lippenpflege oder einen Deo-Stick ideal ist. Es sollte bei einer möglichst niedrigen Temperatur geschmolzen werden.
- Japanwachs/Beerenwachs ist eine beliebte vegane Wachs-Alternative, die nicht so einen starken Film auf der Haut hinterlässt wie Bienenwachs. Perfekt beispielsweise für Lippenstifte oder Cremen, da es sich beim Auftragen schmelzend anfühlt.
- Auch häufig zu finden ist etwa Candelillawachs.


Erden

- Tonerde ist etwa toll für Gesichts- und Haarmasken, aber auch festes Shampoo, da sie viele Mineralstoffe enthalten, reinigend und entgiftend sind und Produkte verdicken. Die verschiedenen Farben haben unterschiedliche Wirkungen: beispielsweise ist weiße Tonerde vor allem bei empfindlicher und trockener Haut gut, während rote reinigend und antibakteriell ist und grüne bei fettiger Haut hilft.
- Auch Heilerden wie Bentonit werden gerne verwendet.

Stärken

Stärke wie etwa Maisstärke verdickt Mischungen und wird zum Beispiel für Deos genutzt, weil sie Feuchtigkeit aufnimmt. Auch für Badekugeln ist sie toll, und für Körperbutter, die dadurch weniger fettig wird.


Natron

Hemmt das Bakterienwachstum und neutralisiert Gerüche, weshalb es vor allem in Deos benutzt wird - allerdings nur in kleinen Mengen, um Hautirritationen zu vermeiden.


Ätherische Öle

Geben deiner Kosmetik einen Duft deiner Wahl und wirken auch bakterienhemmend. Beliebt sind etwa Lavendelöl und Teebaumöl. Achte unbedingt darauf, dass ein ätherisches Öl hochwertig ist (also wirklich lieber Finger weg von günstigen DM-Ölen): 100% naturrein und am besten bio. Das kann etwas mehr kosten, ist es aber auf jeden Fall wert. Es kann sowieso sehr lange verwendet werden, weil man es nur in ganz kleinen Mengen benutzt. Auch hier sollte starke Hitze vermieden werden. Hochwertige ätherische Öle findet man in Wien etwa im Biosupermarkt Denns.



Tipp: Die Kosmetikmacherei (Laudongasse 4, 1080) ist ein tolles Geschäft in Wien, in dem man wirklich alles findet, was das DIY-Kosmetik-Herz höherschlagen lässt - von Rohstoffen bis zu Formen und Behältern. Inklusive Info-Broschüren, vielen Rezeptideen und einer sehr guten Beratung (vor allem hilfreich für Anfänger*innen, die hier alle ihre Fragen beantwortet bekommen).

Bevor du startest - Hygiene, Konservierung & wichtige Tipps


Hat dich das DIY-Kosmetik-Fieber schon gepackt? Dann kannst du fast damit anfangen. Hier sind nur noch ein paar wichtige Infos, die du unbedingt vorab wissen solltest.


Wenn du Kosmetik selbermachst, ist hygienische Arbeit extrem wichtig. Das ist etwas, das oft vernachlässigt wird, obwohl du nur so an ein sicheres Produkt kommst, das seinen Zweck erfüllt und lange Spaß macht - also überspringe diese Schritte nicht. Keine Sorge, es ist auch nicht schwer. Hier, Schritt für Schritt:
Sprühe mit Reinigungsalkohol - eine einfache Anleitung zum Selbermachen ist unten - deine Arbeitsfläche ein, lege sie mit Küchenrolle oder einem frischen Handtuch aus und besprühe auch diese(s). Wasche dir die Hände und trage Handschuhe, die du ebenfalls besprühst. Die sauberen Utensilien (Behälter, Rührgerät etc.) sollten vor der Verwendung mit kochendem Wasser ausgespült werden oder 10 Minuten in kochendem Wasser liegen. Auch sie werden mit dem Alkohol gereinigt und können jetzt lufttrocknen. (Es gibt übrigens auch Sterilisationsgeräte, in die du investieren kannst, falls du das Kosmetikmachen intensiver betreiben und dir das Ganze ein bisschen erleichtern möchtest.)


70% Reinigungsalkohol - Anleitung:

- 69g Isopropylalkohol (aus der Apotheke)
- 28g destilliertes Wasser (gibt’s im DM) - gekocht und abgekühlt
Fülle beides in eine Sprühflasche und schüttle sie. Fertig!
Einatmen und Hautkontakt vermeiden.

Neben sauberen Utensilien solltest du hochwertige und frische Zutaten benutzen, bio ist auch empfehlenswert. Immer, wenn Wasser für ein Rezept benutzt wird, benutze besser destilliertes Wasser. Das kann man einfach im DM kaufen oder sogar selbst machen. Und: koche (jedes, auch destilliertes) Wasser vor der Verwendung und lasse es dann einfach wieder abkühlen.
Die meisten Rohstoffe werden kühl und dunkel gelagert und sie sollten nicht mit den Händen entnommen werden. Erhitze sie nur so sehr wie nötig, damit sie ihre Qualität behalten und keine wertvollen Nähr- oder Inhaltsstoffe verlieren. Ein Tipp: schmelze die härteste Zutat immer zuerst, gebe dann die nächste dazu und arbeite dich so voran.
Bezüglich Konservierung: rein ölbasierte Produkte, die also kein Wasser enthalten, müssen nicht unbedingt konserviert werden. Dazu gehören üblicherweise etwa Badeöle, Körperbutter, Seife, Badekugeln, Peelings und Lippenpflegeprodukte. Sobald aber Wasser in ihnen enthalten ist - wie bei Cremes, Gesichtswasser, Duschgelen oder Shampoos -, müssen sie unbedingt konserviert werden, weil Wasser extrem anfällig für Keime ist. Das sieht man oft nicht, aber es schadet der Haut. Und sich das dann erst recht wieder ins Gesicht etc. zu schmieren, ist ja wirklich nicht der Sinn der Sache. Außerdem würden die Produkte ohne Konservierung nur wenige Tage haltbar sein.


Ein universell einsetzbarer und auch für Anfänger*innen gut geeigneter Konservierungsstoff ist BioKons. 2 Tropfen pro 10g/ml machen Produkte ungefähr 2 Monate haltbar. Du könntest beispielsweise auch mit EcoKons konservieren (4g pro 100g/ml, ca. 4-5 Monate). Das ist ein natürlicher Konservierungsstoff, der zusätzlich pflegt, allerdings muss man bei ihm auf den PH-Wert vom Produkt achten. Es gibt aber natürlich noch andere Möglichkeiten - lass dich am besten einfach im Geschäft beraten.
Auch beispielsweise Vitamin E, Lavendel-, Teebaum- und Jojobaöl können die Haltbarkeit verlängern, ersetzen aber kein Konservierungsmittel. Dunkle Behälter helfen ebenso bei der Haltbarkeit und ideal wäre, wenn du das Produkt mit einem Löffel oder einer Spatel herausholst, statt mit den Fingern hineinzufahren. Wenn sich der Geruch oder das Aussehen verändern - manchmal auch, wenn der Deckel verklebt - ist das meistens ein Zeichen dafür, dass es nicht mehr gut ist. Ausnahme: dass die Farbe dunkler wird, passiert relativ häufig. Orientiere dich auf immer an der Zutat mit der kürzesten Haltbarkeit. Es hilft, ein Etikett mit dem Herstellungsdatum und dem ungefähren Haltbarkeitsdatum auf die Verpackung zu kleben.

Falls dich die vielen Infos verunsichern: das klingt am Anfang alles komplizierter als es ist. Du wirst dich schnell daran gewöhnen und wenn du einmal gute Rezepte hast, musst du an das meiste gar nicht mehr denken. Trotzdem ist es wichtig, diese Dinge mal gehört zu haben - auch, um schnell zu erkennen, ob Rezepte überhaupt gut sind.

Wenn du bis jetzt druchgehalten hast - gratuliere! Auf der nächsten Seite findest du ein paar richtig coole Rezepte für deine DIY-Kosmetik!