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Wieso im Männerfußball sogar österreichische Zweitliga-Spiele als Großereignis gelten, während nicht einmal das Finale der Frauen-WM im Fernsehen übertragen wird – das ist ein ganz großes Rätsel (`cause it´s 2016!). Dass es auch ganz anders gehen kann, zeigt Roller Derby. Der Sport, der seine Wurzeln im Amerika der Zwischenkriegszeit hat, wird fast nur von Frauen ausgeübt und organisiert. Und ist trotzdem alles andere als ein Blümchensport - Roller Derby ist ein Vollkontaktsport der auf vierrädrigen Rollschuhen ausgeübt wird und bei dem es ziemlich hart zugeht.

Weltweit gibt es über 3.000 Vereine in denen nur Frauen skaten. Das Rapid des Skatesports ist das Vienna Roller Derby. Ihre Spiele, die sogenannten "Bouts" sind schneller ausverkauft als du dir deine Inlineskates zumachen kannst. Denn die Stimmung in den vollen Hallen ist genauso legendär, wie die Spitznamen der Kampfmannschaft. Kein Wunder, schließlich kann man hier nicht nur „Knockout-Nora“ , „Killitmanjaro“ oder „Bitch Buchannon“ beim Durchbrechen von Menschenmauern zuschauen, sondern auch die herzerwärmendste Halbzeit-Show Mitteleuropas bewundern. Die Pause zwischen den zwei 30-minütigen Halbzeitpausen wird nämlich von den Fearleaders bestritten – der berühmtesten (und rein männlich besetzten) Chearleadertruppe Österreichs, die mit ihren Entertainmen-Skills ungefähr in der Liga von Beyoncés Superbowl-Auftritt spielen. 

 

Die Regeln

Bei den Bouts (Wettkämpfen) treten zwei Teams gegeneinander an. Ein Spiel dauert 60 Minuten mit zwei 30-minütigen Halbzeiten. Jeweils fünf Spielerinnen sind auf der Bahn: vier Blockerinnen, darunter ein Pivot (zu erkennen an der gestreiften Helmhaube) und eine Jammerin (sie trägt die Helmhaube mit Stern). Die Jammerin ist als einzige berechtigt, Punkte zu machen. 

Ein Jam (Durchgang) dauert höchstens 2 Minuten. Nach dem Startpfiff versuchen die beiden Jammerinnen so schnell wie möglich durch das Pack von Blockerinnen zu gelangen. Die Erste, die das schafft, ist Lead-Jammerin. Dieser Status ermöglicht es ihr, den Jam durch sichtbares Klopfen auf ihre Hüften aus taktischen Gründen vorzeitig abzubrechen. Ab der zweiten Runde erhalten beide Jammerinnen für jede überrundete Gegnerin einen Punkt. Die Blockerinnen versuchen, die eigene Jammerin zu unterstützen und die gegnerische am punktemachen zu hindern. Der Pivot ist eine Blockerin mit besonderen Privilegien. Sie kann beispielsweise durch einen Tausch der Hauben die Rolle der Jammerin übernehmen.

Gespielt wird nach den internationalen Regeln der WFTDA (Women‘s Flat Track Derby Association). Körperkontakt ist limitiert auf die Hüften, Schultern und den Vorderkörper. Illegale Berührungen, wie Festhalten oder Blocken in den Rücken werden mit Strafen geahndet. 

Immer noch keinen Plan von den Regeln? Kein Ding, während der Spiele geben die Derby Xplainers Nachhilfe. Einfach nach den Frauen mit der Rollschuh-Fahne Ausschau halten. 

 

Der Verein

Gründungsjahr: 2011 
Vereinsfarben: Türkis-Orange
Schlachtruf: Vienna, Vienna – Gemma Gemma Gemma!
Mitgliederanzahl: 90 aktive Mitglieder, davon 80 Spielerinnen
Maskottchen: Die Fearleaders   
Erzfeind: Der Boden 
Schlimmste Niederlage: VRD A vs. Gothenburg, 87:268, AUA!
Berühmtester Fan: Stefanie Sourial (Niemand schreit lauter!)
Vereinsgröße: Am längsten dabei ist Gründungsmitglied Anktion #19
Dieses Lied wird bei jedem Spiel in der Garderobe gespielt: Lady Gaga – The Edge of Glory 
Merchandise für den perfekten VRD-Gangsta-Style: VRD College-Jacke (€ 39), VRD Cap (€ 23), VRD Tattoo (€ 1,50)

 Foto: Claudia Ziegler

Darfst du mitspielen?

Wenn du dich als Frau verstehst oder dich geschlechtlich nicht festlegen willst: Ja! Die Recruiting-Days finden meist im Herbst statt. Danach besuchst du ca. sechs Monate die Newbie Klasse, danach wartet der „Minimum Skills Test“. Nach dem Test gibt es diverse Möglichkeiten: Ins A-Team oder zu den "Beasts" ins B-Team oder auch Non-Chartered, das heißt man spielt vorerst keine Bouts kann aber trotzdem zu gewissen Trainings kommen und ist natürlich auch Teil der empowering Gemeinschaft. 

Der monatliche Mitgliedsbeitrag beträgt 30 Euro - der Betrag fließt vor allem in die Hallenmieten für die Trainings (die dreimal wöchentlich stattfinden). Es gibt allerdings einen Solidaritäts-Fond für Leute, die finanziell nicht so gut dastehen. 


Foto: Elisabeth Rahde

Die nächsten Spiele

Diesen Herbst gibt es drei Gelegenheiten sich vom einzigartigen Spirit der Rollergirls zu überzeugen. Die Tickets kosten jeweils um die 10 Euro. 

VRD vs. Gothenburg Roller Derby Badass Beavers

5. November, 16h30 in der Hakoah Sporthalle

VRD vs. Luleå’s Slaughter Daughters (SWE)

12. November, 16h30 in der Hakoah Sporthalle

Doppelspiel: VRD A vs. The Switchblade RollerGrrrls

VRD Beasts vs. Rolling Rat Pack 
26. November, Sportzentrum Marswiese
Genaue Infos TBA 

Headerfotos: Nadine Poncioni

Hier geht´s zum ersten Teil unserer "Wiener Lieblingsvereine"-Serie. 

 

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