Wer verbringt an sonnigen Tagen seine Zeit nicht am liebsten draußen? Eben! Doch nicht nur rund um Wien kann man die frische Luft genießen und sich die Beine vertreten - auch in der Stadt lässt es sich herrlich umherwandern, und das auch in der kalten Jahreszeit. Hier findet ihr eine Fortsetzung der besten Flaniermeilen und -gässchen Wiens.

 

Servitengasse & Berggasse

Braucht man eigentlich nicht mehr extra erwähnen - aber wie schön ist bitte die Servitengasse? Hier kann man von einem schönen Lokal ins nächste fallen. Die Flaneure und Flaneusen in euch können aber auch einfach schauend umherwandern und das "kleine Paris von Wien" genießen - und den Spaziergang ausdehnen auf Strudlhofstiege und Berggasse. Vor allem bei einem Spaziergang mit touristischen Freunden kommt ein lässig dahingeworfenes: "Ach ja, und hier hatte der Freud übrigens seine Praxis" immer gut. 

 

Karmeliterviertel & Taborstraße

Ein Streifzug durch das jüdische Wien, im 17. Jahrhundert noch die ehemalige "Judenstadt". Das Karmeliterviertel und die Taborstraße erkundet man am besten zu Fuß und mit offenen Augen. Nach einer Stärkung mit tollem Essen (Karmelitermarkt, Tachles) und genügend Sonne (Augarten), kann man das rege Treiben beobachten und teilhaben an der Kultur und Infrastruktur der jüdischen Gemeinde, die sich vor allem hier im 2. Bezirk zentriert. 

 

Am Spitz

Es gibt auch ein Wien auf der anderen Seite der Donau: Am Spitz in Floridsdorf scheint das Leben auf den ersten Blick stillzustehen - doch die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, aus dem ehemaligen traditionellen Einkaufsviertel rund um das schöne Amtshaus von Floridsdorf gibt es immer mehr leerstehende Geschäfte und Tristesse. Nichtsdestotrotz bietet die andere Seite Wiens Einblicke in das historische, grüne und steingraue (ähem: urbane) Stadtbild: am Beethovenweg auf der Fährte von Beethoven, in den historischen Alt-Wien Gegenden Jedlesee und Stammersdorf oder im Wasserpark - auch das ist Wien. 

 

Kagran 

Wenn wir schon mal hier drüben sind: Kagran, ein Stadtteil des 22. Wiener Gemeindebezirks, ist nicht das schönste Fleckchen. Aber ein aufmerksamer Flaneur erkennt auch in schäbigen Fassaden, reizlosen Straßen und urigen Lokalitäten den Wiener Charme. Entlang der Wagramer Straße oder der Donaufelder Straße (ja nicht ins Donauzentrum abbiegen!) findet das echte Leben abseits von Bioläden statt und Großwohnsiedlungen wie die Trabrenngründe (besser bekannt unter Rennbahnweg-Siedlung) verraten viel über Wien, seine Geschichte und seine Seele. Wer nach dem Grau ein bisschen Grün braucht: die Donauinsel ist nicht weit entfernt. 

 

Rossauer Lände

Im Sommer muss man nur dem Stimmengewirr, der Musik und den Essensdüften folgen - die Summerstage macht die Rossauer Lände zu einem Hotspot des abendlichen im-Freien-Herumlungerns. Ein Spaziergang entlang des Donaukanals zahlt sich aus - man entgeht dem Lärm, trifft aber leider öfters auf nervige Pärchen, die ihre frisch entflammte Liebe am Ufer des Kanals zelebrieren.

 

Neulinggasse bis Salmgasse

Der bislang (von Touristen und sogenannten hippen Menschen) schmählich vernachlässigte dritte Bezirk hat wirklich schöne Ecken und bietet flaniertaugliche Straßen - eine davon ist die Neulingasse mit ihrer Allee und dem Flakturmpaar (Codename: "Baldrian") im Arenbergpark. Die Neulinggasse kreuzt auch die Ungargasse - wir betreten Ingeborg Bachmanns in ihrem Roman "Malina" beschriebenes "Ungargassenland" - mit dem großartigen Malipop. Von dort führt der träumerische Sünnhof zur Landstraßer Hauptstraße und zum Rochusmarkt. Wenn man nach einem Frühstück (alternativ: Mittagsimbiss oder Abend-Kebab) noch etwas Kraft hat, kann man die wunderschöne Salmgasse entlangwandern, in der man fast das Gefühl bekommt, Wien sei eine mediterrane Stadt am Meer. 

 

Wurstelprater 

Wem es auf der Praterhauptallee zu grün, zu beschaulich, zu überfüllt von sportlichen Menschen ist und wer nach Adrenalinkicks, einer jahrhundertealten Geschichte von Spiel, Spaß und fettigem Essen und schreienden Kindern und Teenagern sucht - der ist im Wiener Wurstelprater, quasi dem wilden kleinen Bruder der Prater Hauptallee, genau richtig. Widersteht der Versuchung, in den kühlen Schatten der Geisterbahn abzutauchen und lasst euch treiben. Bei anbrechender Nacht entfaltet dieser Teil des Praters einen besonderen Reiz - das Flackern der bunten Lichter und das Gröhlen der Schaubuden-Animateure wird auch euch Flaneuren das kindliche Glänzen in die Augen zaubern. 

 

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