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Hinter diesem etwas verstaubten Wort verbirgt sich ein viel beschriebenes Konzept – der Flaneur, im 20. Jahrhundert von Charles Baudelaire und Walter Benjamin niedergeschrieben und charakterisiert, erkundet seine Stadt spielerisch, aufmerksam, sich treiben lassend. Ideal, um den Alltag zu entschleunigen, die Sinne zu schärfen und seine Stadt besser kennenzulernen.

Laut Guy Debord flaniert es sich am besten zu zweit oder zu dritt, und nicht in der Nacht – aber hier muss ich wohl widersprechen: Nichts ist so schön wie Wien bei Nacht.

 

Innere Stadt

Blutgassenviertel

Das kleine Blutgassenviertel ist eins der ältesten Viertel in Wien, wunderschön und malerisch. Am besten mal abends hindurchflanieren und sich ausmalen, wie es hier im Mittelalter ausgesehen haben mag. Anschließend ins Kleine Café einkehren.

Übrigens: Im 14. Jahrhundert wurde die Blutgasse nur „Kotgässel“ genannt ...

 

Ringstraße

Der Klassiker der Wiener Flaniermeilen. Entlang der Prachtbauten entstand im 19. Jahrhundert dieser Repräsentationsboulevard, den man entlang flanieren konnte – um zu sehen und natürlich gesehen zu werden. Versucht mal, euch vorzustellen, all diese Gebäude (jeden Tag das Gleiche auf dem Weg zur Uni...) mal mit den Augen eines Touristen zu betrachten, der sie zum ersten Mal sieht. Gerade im Sommer dürfte das nicht schwerfallen – verhaltet euch einfach so wie alle anderen in der Bim.

 

Leopoldstadt

Stuwerviertel

Das altbekannte Stuwerviertel im 2. Bezirk war eines der ehemaligen Wiener Rotlichtviertel und galt lange Zeit als eine eher zwielichtige Gegend – umso mehr ein Grund, dort mal die Atmosphäre zu erkunden und sich auf Psychogeography einzulassen: spielerisches „Drifting“ durch die Wiener Geschichte, sozusagen. Absolutes Highlight: Der wunderbare Vorgartenmarkt

 

Prater Hauptallee

Ein weiterer Fixstarter. Eben zu diesem Zweck angelegt, lädt die Prater Hauptallee zum Sich-treiben-lassen ein – auch wenn es definitiv etwas nerviger ist, alle paar Meter schnellen Radfahrern auszuweichen als schon von weitem das Huftrappeln der Kutschenpferde zu hören. Weicht auch mal vom Weg ab und wenn es geht, verirrt euch ein bisschen und schaut, wie nahe Natur und Stadt manchmal zusammenliegen. Wer es die 4,4 km bis zum Ende schafft, kann sich im Lusthaus mit einem Stück Schoko-Trüffel-Haustorte belohnen.

 

Wieden & Favoriten

Favoritenstraße

Die Favoritenstraße bietet viel Sehenswertes, wird aber oft unterschätzt. Als eine der längsten Straßen Wiens zieht sie sich durch den 4. und 10. Bezirk und wer genau schaut, entdeckt viele historische Bauten, Details und geschichtsträchtige Orte (auch wenn die Favoritenstraße mit 262 Hausnummern fast ein wenig zu lang zum Flanieren ist).

 

Mariahilf & Neubau

Mariahilfer Straße

Ja, ich weiß! Viele Menschen, viel Konsum, viel Stress trotz Begegnungszone. Manchmal mag man aber einfach auch in der Masse mitschwimmen – wie der literarische Flaneur der Moderne, der sich – überfordert und fasziniert von der großen Stadt – dahintreiben lässt. 

 

Spittelberg

Dem idyllischen, wunderschönen Stadtteil im 7. Bezirk sieht man seine dunkle Vergangenheit kaum mehr an: Vom 18.-20. Jahrhundert war dies eine der dreckigsten Gegenden Wiens und eine Hochburg der Prostitution. Heute bietet der Spittelberg mit seinen kleinen Biedermeierhäusern eine malerische Postkartenkulisse und den perfekten Background für den Christkindlmarkt. 

 

Gumpendorfer Straße

Kaum eine Straße in Wien eignet sich besser für einen Schaufensterbummel – auch wenn man vor lauter schöner Shops und noch schöneren Lokalen kaum zum Flanieren kommt. Am besten sonntags mit aufgesperrten Augen und geschlossenem Geldbörsel entlangspazieren.

 

Meidling & Hitzing

Hietzing

Hier gibt es natürlich das Schloss Schönbrunn, wer aber an der Hietzinger Hauptstraße entlang flaniert, der fühlt sich beinahe in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt. Ein Spaziergang zum Stadtbahn-Hofpavillon von Otto Wagner lohnt sich auch, eine Torte im Dommayer sowieso.

 

Meidlinger Haupstraße

Neu aufgewertet, aber immer noch mit dem schönen Meidlinger Charme (genau, der mit dem L). Wer nicht so gerne Schaufensterbummel macht, der kann auch vor dem U4 rumhängen und sich in die 80er träumen.

 

Headerbild: "couple in love" von Dragan via Flickr, lizensiert über CC BY 2.0

 

Mehr idyllische Plätze zum Flanieren oder Kaffeetrinken, findet ihr hier.

 

 

 

 

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