Die Abstellkammer platzt aus allen Nähten, im Kellerabteil stapeln sich die Kisten und die Bohrmaschine ist mal wieder unauffindbar. Spätestens beim Umzug merkt man wie viel Zeug sich in der Wohnung in kurzer Zeit angehäuft hat. Auch ganz ohne Kaufsucht und Sammelleidenschaft. Die Kletterseile wurden seit Jahren nicht benutzt, die Tourenski einmal im Jahr hervorgeholt und der großartige Dampfreiniger ist noch originalverpackt. Einfach abhauen und alles hinter sich lassen geht nur mit dezidierter Planung, Lieferwagen und zwei Möbelpackern. Freiheit sieht anders aus.


Das dachte sich auch Markus Heingärtner und launchte im Dezember 2012 die Website usetwice.at. Hier vermieten die User Gegenstände, die sie selbst kaum nutzen. Von Inline Skates bis zum Smoking ist alles dabei, was man nicht jeden Tag braucht. Die Mietpreise werden vom Vermieter bestimmt und variieren von  3 € amTag für einen Beamer, 25 € für einen Autoanhänger bis zu 150 € für ein riesiges Partyzelt. Neben dem Geld, zählt vor allem der nachbarschaftliche Gedanke: Man lernt neue Leute im Grätzel kennen, konsumiert bewusster und belastet sich nicht durch Besitz, außerdem spart man Ressourcen und Platz in der eigenen Wohnung.


Die Nachbarn lernt man beim car2go Carsharing zwar nicht kennen, dafür macht man ihnen beim Kampf um die Parkplätze eine Freude. Die blau-weißen Miet-Smarts stehen überall dort, wo die Vorfahrer sie abgestellt haben. Das Prinzip ist einfach: Anmelden, Karte an die Windschutzscheibe halten und schon gehört der Smart dir. Mit 0,29 € pro Minute und 12,90 € pro Stunde nicht ganz billig, aber immer noch günstiger als ein eigenes Auto in der Stadt. Reisen ganz ohne Geld geht dank Mitfahrzentrale und Couchsurfing. Hier stellen angemeldete User ihre Gäste-Couches für Reisende auf der ganzen Welt kostenlos zur Verfügung. Ganz ohne Gegenleistung kann man aber auch nur die Wohnungen anderer Couchsurfer nutzen. Privater Stadtführer inklusive.


Kleidung lässt sich hingegen weit schlechter teilen als Autos und Wohnung. Das heimlich ausgeliehene Kleid der Mitbewohnerin führt schnell zu WGinternen Dramen. Wir empfehlen den Kasten auszumisten und das alte Gewand im Kleiderkreisel gegen frische Vintage Ware einzutauschen.

 

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