Ach, die herrliche Idylle des Christkindlmarkts: Dir ist bitterkalt. Du wirst von einer unüberschaubaren Menschenmasse vor- und zurückgeschoben. Deine Freunde hast du schon seit dem ersten Mal „White Christmas“ aus den Augen verloren und versuchst dich verzweifelt an die Tricks vom einsamen Robbenbaby auf der Suche nach seiner Mama zu erinnern. Es funktioniert: Dein Jaulen wird erhört und du bekommst endlich eine lauwarme Tasse pink-gefärbtes Zuckerwasser in die Hand gedrückt. 9 Euro mit Einsatz bitte! 

Um die Kohle kannst du dich wirklich auch woanders Aufwärmen. Hier die besten Exit-Strategien für die Weihnachtszeit in Wien – garantiert ohne Kitsch und klaustrophobische Anfälle:

Geh ins Theater!

Hier muss nicht dekoriert werden - roten Samt und festliche Stimmung gibt es in den heiligen Hallen der Wiener Bühnen das ganze Jahr über. Aber was anschauen? Im altehrwürdigen Burgtheater kannst du nicht nur spektakuläre Selfies im güldenen Theatersaal schießen, sondern dir auch die Stücke "Radetzkymarsch" unter der Regie des Holländers Johan Simons oder den blutigen Klassiker "die Orestie" von Aischylos unter der Regie von Antú Romero Nunes reinziehen. Prädikat: wertvoll !

Superpleite? Hier erfährst du, wie du billig ins Theater kommst. 

 

Flüchte dich ins Museum!

Besonders ans Herz legen können wir dir während den grausigen Wintertagen einen Besuch im Kunsthaus oder im MAK. Hast du erstmal deinen Weg zum Hundertwassermuseum im 3. Bezirk gefunden, erwatet dich dort die außergewöhnliche Fotografie-Ausstellung "Visions of Nature". Thema sind hier die Schönheit und Vergänglichkeit der Natur, sowie ihre Abbildungs- und Repräsentationsmechanismen. Unser Tipp: Schau dir doch auch noch die Ausstellung "Ästhetik der Veränderung" im MAK an. Im Rahmen des 150. Geburtstags der Angewandten, wirft die Ausstellung Schlaglichter auf die wechselvolle Geschichte der Universität und die Entwicklungen, die von ihr ausgingen und -gehen. Ein wichtiges Plädoyer für eine Neuorientierung von Bildung, Kunst und Gesellschaft. Du kannst in den Museen wirklich den ganzen Tag verbringen, abseits der 'Last-Christmas-Laster-Orgien'. Das lässt dich dann auch über die hässlichen Weihnachtspullover der anderen Besucher galant hinweg sehen.

 

Abwarten und Tee trinken

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Man kann es nicht ungesehen machen: Hektoliterweise wird der fertig gemischte Schloder vom Großmarkt mit kiloweise Zucker verfeinert und dann als „Punsch“ verkauft. Den Durst auf Heißgetränke per se solltest du dir damit aber nicht versauen lassen. Bei Cha No Ma, oder im Teesalon „Tete a Tee“ in Hietzing bekommst du feinste Heißgetränke in ruhiger (und ja, irgendwie auch besinnlicher) Atmosphäre und kannst nebenbei auch gleich unkompliziert noch ein paar Weihnachtsgeschenke für die letzten unbekehrbaren Konsum-Fetischisten in deinem Umkreis besorgen.

 

Sich in fremde Welten flüchten. 

Nichts lässt einen das endlose Mariah-Carey-Gedudel, sowie die zahlreichen halblustigen Weihnachts-GIFs und unerträglichen Kekseback-Angeberfotos in der Timeline so leicht ausblenden, als sich zwischen zwei Buchdeckeln zu verstecken. 

Neuer Lesestoff benötigt? Hier findest du die schönsten Buchläden und hier die perfekte Winterlektüre.

 

Einkaufsstraßen meiden.

Eigentlich ein No-Brainer: Die großen Einkaufsstraßen, wie die Mariahilfer oder die Kärntner Straße, solltest du unbedingt meiden. Nicht nur wegen der schieren Menschenmassen, sondern auch ob der unerträglich kitschigen Weihnachtsbeleuchtung. Alle, außer die Josefstädterstraße. Hier gibt es tolle Fair-Fashion-Shops wie Muso Koroni oder traditionsreiche Haushaltswarenläden wie Grandia, in denen man Dinge kaufen kann, an denen auch die ungeborenen Enkel des Beschenkten noch ihre Freude haben werden. Sogar die verhasste Weihnachtsdeko ist in der Josefstadt erträglich: Jahr für Jahr verströmen riesige neonblaue Kugeln auf dem ehrwürdige Straßenzug eher Discofeeling als Andachtsstimmung und machen mehr Lust auf Wodka als auf Weihrauch.

Foto: © J.Aust/Wiener Einkaufsstraßen 

 

Aufgeben!

...und am Heiligen Abend der Mama eine Freude machen und voller Inbrust auch die dritte Strophe von "Stille Nacht!" mitsingen. Wegen dem Weihnachtsfrieden warats. 

 

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Header und Vorschaubild: Wiener Weihnachtstraum (c) stadtwienmarketing, Grinch: "The Grinch and Max" von Lisa Zins via flickr, lizensiert über CC BY 2.0

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