Vor einiger Zeit ließ mich meine Haut mittels Pickelinvasion wissen, dass fünf bis sechs Mal die Woche Alkohol wohl zu viel sei und dass Schokolade als Betthupferl nicht täglich sein muss. Ich versuchte beides einzuschränken und kam zu dem Schluss: Ganz oder gar nicht, wenn schon denn schon! Ich beschloss mich und meine Haut zu entgiften. So ist es mir dabei ergangen:

 

Vorbereitung

Erst einmal alle Unterlagen und Rezepte ausdrucken und eine Einkaufsliste erstellen. Bei der Detox-Kur, für die ich mich entschieden habe, gilt: Man darf alles essen, außer Tierprodukte (Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier), Nahrungsmittel auf Weizenbasis, Aufputschmittel (Kaffee, schwarzer Tee), Alkohol, Drogen und Zigaretten, Salz und Zucker, Bananen, Weintrauben, Avocados - also so ziemlich alles was Spaß macht. Beigefügt an den Plan waren circa 30 Rezeptvorschläge für Frühstück, Mittag- und Abendessen. Die erste Challenge war das Besorgen der Zutaten, so etwas Exotisches wie Mandelmus (um 8,70 €!) und Amaranth gibt es bei meinem kleinen Billa des Vertrauens nämlich nicht. Als ich dann schlussendlich Berge von Gemüse und Obst besorgt hatte, stellte ich mich schon mal seelisch auf die kommenden Tage ein und ging auf einen letzten Spritzer. Alleine durch den Plan in meinem Kopf fühlte ich mich beim Schlafengehen schon einen Hauch schlanker.

 

Tag 1

Zu lange geschlafen – Frühstück fällt aus. Ich will keinen großen Koch-Aufwand betreiben, deswegen gibt’s Gemüse mit Tofu - ohne Salz, ein Geschmackserlebnis! Ich bin auch recht schnell satt, da alles recht fade schmeckt. Nach einer Mandarine und Nüssen als Nachspeise geht’s zum Sport, wie in dem Plan empfohlen. Am Abend esse ich den Rest vom übergebliebenen Tofu-Gemüse und mir kommt vor, beim zweiten Mal schmeckt es schon viel besser. Vielleicht geht das so schnell und meine Geschmacksnerven sind schon sensibilisiert, vielleicht bin ich aber nur verdammt hungrig.

 

Tag 2

Am nächsten Tag beginne ich in der Früh schon mal richtig mit einem Glas heißen Wasser mit Zitrone, das schmeckt wie Neocitran, also eigentlich ganz gut. Als Frühstück mache ich mir Amaranth-Apfel-Pancakes, die sogar noch besser sind, auch wenn sie bei mir aussehen wie Kaiserschmarrn (Hmmm, das wär jetzt gut!). Am Vormittag ist ein Bodyshape-Kurs im Fitnessstudio angesagt. Zu Mittag gibt’s zur Belohnung Quinoa-Rote Rüben-Salat, der echt gut ist (ich habe leider keine frischen roten Rüben bekommen und deshalb die eingelegten, gewürzten verwendet, aber psssst!) und grünen Tee. Gott sei Dank bleibt das befürchtete Kopfweh wegen Kaffee-Entzugs aus. Am Abend gehe ich sogar auf ein Konzert - ohne Bier! Ich werde nur kurz unruhig, als jemand vor mit in der Menge eine Riesenbrezel isst. Nach dem Konzert geht’s gleich nach Haus und ins Bett, weil ich eh nix trinken darf. Ich bin ein bisschen traurig, komme mir aber auch seeehr erwachsen vor.

 

Tag 3

Als Sonntagsfrühstück gibt’s Haferflocken mit Beeren, geriebenem Apfel, Zimt, Leinsamen, Nüssen usw., was wirklich sehr lecker ist. Da es schönes Wetter hat, geh ich spazieren. Das ist zwar kein Sport, aber immerhin Bewegung. Am Abend ist Vorkochen für die nächsten Tage angesagt. Wie eine Wilde befülle ich eine Tupperbox nach der anderen (langsam gehen die mir aus). Als Abendessen gibt es Sommersalat, bestehend aus Chinakohl, Orangen, Paprika, Gurke, Tomate, Sonnenblumenkerne, was ohne Salz natürlich wieder etwas fad schmeckt, aber ich hab gecheatet und einen TL Essig dazu gegeben.  

 

Tag 4

Ich frühstücke das gleiche wie gestern. Zu Mittag knurrt der Magen. Es gibt Zucchini-Karotten-Haferflocken-Laibchen mit Gurkensalat, die wirklich gut sind. Mittlerweile habe ich mich total an das Essen ohne Salz gewohnt, meine Geschmacksnerven erholen sich anscheinend. Mir ist noch nie aufgefallen, wie süß Karotten sind. Am Nachmittag futtere ich Unmengen an Nüssen und eine Mandarine. Heute ist Dinner Cancelling angesagt. 

Von wegen Dinner Cancelling, meine Mitbewohnerin (die voller Solidarität mit mir mitmacht) hat gekocht und ich kann am Abend nicht widerstehen und nasche von ihren Gemüselaibchen, in denen fix was Verbotenes drin war, die waren zu gut!

 

Tag 5

Nachdem ich mein Glas heißes Wasser mit Zitrone endlich runterbekommen hab (daran gewöhne ich mich nicht in der Früh), gibt’s Smoothie. Und zwar aus Spinat, Beeren, frisch gepresster Orange und Haferflocken. Ich bin sehr stolz auf meinen kleinen Mixer, dass er das geschafft hat - auch wenn ich das Ergebnis löffeln muss. Es schmeckt etwas sauer. Passend zu meiner Stimmung. Ich bin nicht gut gelaunt heute – woran das wohl liegen mag? Am Vormittag im Büro meldet sich schon bald der Hunger. Zu Mittag gibt’s Gemüse-Soja-Sauce mit Zucchini-„Nudeln“ (die nicht wirklich Nudeln sind, sondern einfach länglich geschnittene, geschmacklose Zucchini-Scheiben). Am Nachmittag futtere ich Nüsse, die meine Stimmung auch nicht heben. Im Grunde meines Herzens will ich einfach nur Kuchen. Ich schreibe einen Artikel über die besten Lokale zum Mittagessen und leide beim Lesen der Speisekarten. Aber heute mach ich das wirklich mit dem Dinner Cancelling, sonst hat das ganze ja gar keinen Effekt. 

 

Tag 6

Ich scheiß auf das Wasser mit Zitrone, weil ich langsam Zahnschmerzen von der Säure bekomme und es einfach grauslich find. Dafür gibt’s gleich mal Pancakes mit Beeren – sehr lecker. Im Büro angekommen mach ich mir eine Tasse grünen Tee (mit Orangen-Ingwer-Geschmack), mittags gibt’s wieder Salat und am Abend kann ich mich sogar noch zum Sporteln überwinden. Nur mehr einen Tag durchhalten!

 

Tag 7

Langsam ist ein Ende in Sicht und ich beschließe, die Fastenkur am Abend zu beenden, da ich eine Verabredung zum Essen habe. Beim Asiaten esse ich Misosuppe und 3 Dim Sum und mein Magen ist voll. Aber weil ich ja jetzt darf, müssen es auch noch die Glücksbällchen im Kokosbad sein. Das schmeckt für mich wie Mini-Germknödel in geschmolzenen Raffaelo, „Glücksbällchen“ ist dafür wohl die richtige Bezeichnung. Mir ist schlecht, aber ich bin glücklich.

 

Fazit

Mein Geschmackshorizont hat sich erweitert, ich kann keine Nüsse mehr sehen, ich bin zwei Kilo leichter (wahrscheinlich noch bis circa übermorgen) und fühle mich fit. 7 Tage geht das schon mal (außer man möchte soziale Kontakte pflegen) und ich merke, dass ich wieder bewusster und mit mehr Genuss esse. Käse, ich hab dich vermisst!

 

 

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